Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Swinemünde
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 733 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 738 nur auf Katholiken und Juden, sondern auf alle Hausbesitzer Swinemündes bezieht. Danach dürfte die Beschränkung des Verzichts auf die evangelischen Hausbesitzer kaum aufrecht zu erhalten sein! Stargard, 1. Dezember. Ueber eine hier am 25. v. Mts. in der Sache Krösell gegen v. Derenthall-Karkow stattgehabte Schöffengerichtsverhandlung, in welcher der Angeklagte durch Rechtsanwalt Coste, Krösell als Nebenkläger durch Rechtsanwalt Falk vertreten wurde, berichtet die „Stargarder Zeitung": „Die Anklage beruht darauf, daß Herr von Derenthall zur Zeit der Reichstagswahlen zu dem Fuhrmann Kühl sagte: „Wie können Sie nur die Zettel verteilen und den Pastor Krösell im Lande herumfahren? Er hat als Pastor gelogen, und ein Pastor, der lügt, ist in meinen Augen ein Schweinehund." R.-A. Coste trat in die Verteidigung des Angeklagten ein, wurde hierbei aber bald unterbrochen, indem R.-A. Falk den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit stellte und Krösell denselben damit begründete, daß alle seine Prozesse für die Judenpresse wahre Orgien seien. Der Vorsitzende verbat sich derartige Aeußerungen; Krösell ließ sich jedoch nicht stören und bemerkte weiter, daß diese Tätigkeit der Judenpreffe zu einer Verwüstung des Volksbewußtseins führen müßte. Es sei dies ein planmäßiges Arbeiten zu seinem Ruin und zu dem seiner Ehre. Auch hier sei die Judenpresse wieder an der Arbeit. Amtsgerichtsrat Braune erklärte nun sehr energisch, daß er sich derartige Auslassungen verbitten müsse; denn er habe den Vertretern der Presse erlaubt, hier anwesend zu sein. Der Verteidiger suchte den Beweis dafür zu führen, daß Krösell viermal öffentlich gelogen habe, das erste Mal in Wartenberg, wo er sich damit brüstete, er würde zum Hofprediger Stöcker halten, der seine Wahl wünsche und dies in einer Unterredung mit ihm ausgesprochen habe. Der zweite Fall spielte sich in Wobbermin ab. Dort sagte Krösell, von Wangenheim-Klein-Spiegel werde ihn wählen und habe auch seine Untergebenen nach Klein-Mellen geschickt, um Krösell zu wählen. Drittens soll Krösell wiederholt öffentlich, speziell in Stargard, sich damit gebrüstet haben, daß das Konsistorium seine Wahl wünsche, und schließlich soll er in Freienwalde geäußert haben, daß Dr. Schütze früher freisinnig gewesen und dies ihm von Freienwalder Leuten mitgeteilt worden sei. Als Di*. Schütze den K. fragte, wer diese Leute seien, berief er sich auf den Gastwirt Linke-Friedrichsthal, und als Do. S. an diesen schrieb, erhielt er keine Antwort. Im ersten Fall schrieb Superintendent Friedemann an Stöcker um Auskunft und erhielt eine Antwort dahingehend, daß er niemals mit Krösell über Wahlangelegenheiten gesprochen habe. Im zweiten ^all