Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Posen
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 732 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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732 Im deutschen Reich. sehr gereizt fühlen. Sie haben eine besondere Vereinigung, welche die für sie ungünstigen Notizen sammelt, und wenn der geringste Schatten einer Beleidigung vorliegt, sofort die Erhebung der Klage veranlaßt. Mögen unsere Leser bedenken, daß es Schade um die Kosten ist, denen die Redaktion in solchen Fällen ausgesetzt ist. Obwohl wir ein antisemitisches Blatt sind, so wollen wir doch nicht gegen einzelne jüdische Personen auf Grund einfacher Beschuldigungen Vorgehen. Das wäre sehr ungerecht; solche Unbill fügt man auch einem Juden nicht zu. Es ist Uebersluß an Material gegen di Juden, und man braucht nicht nach unglaubwürdigen und über triebenen Nachrichten Zu greifen. Wenn ein Blatt schon manches M-r den Nacken Hinhalten muß, muß schon die Sache entsprechend n wichtig sein, daß aus ihrer Beleuchtung ein allgemeiner Nutzen fl ziehen ist und daß es lohnt, Kosten und Mühe zu opfern." — Dieser Einblick in die Werkstatt des polnischen Antisemitismus ist recht lehrreich! 02 Nakel (Netze), 1. Dezember. Kürzlich ist hier nach kurzem Krankenlager im Alter von 78 Jahren der frühere Hauptlehrer Moritz Stillmann verstorben. Der Entschlafene, der über 50 Jahre, davon allein 36 Jahre hier seines Amtes in Pflichteifer und großer Bescheidenheit gewaltet und sich dadurch Liebe und Verehrung erworben, trat am 1. Oktober 1896 in den wohlverdienten Ruhestand. Das Andenken des treuen Lehrers, der auch dem Central-Vereine stets ein reges Interesse zuwandte, wird in Ehren gehalten werden. ± Swinenründe, 1. Dezember. Durch eine Millionen-Erbschaft ist die hiesige evangelische Kirche in die Lage gekommen, daß ihr vom König Friedrich II. verliehene Recht, von jedem Hausbesitzer jährlich einen Taler und bei Grundstücksverkäufen eine Steuer von l2/3 pro Mille einzuziehen, entbehren zu können. Die Kirchenvertretung beschloß deshalb, nicht nur auf die Traugebuhren, den Klingelbeutel usw., sondern auch auf die erwähnten Abgaben zu verzichten. Das Konsistorium in Stettin hat aber die Haus- und Umsatzsteuer nur für die evangelischen Einwohner aufgehoben. Eine deshalb an den Kultusminister von den jüdischen Hausbesitzern gerichtete Eingabe ist dem Evangelischen Oberkirchenrat überwiesen worden. Nicht nur der hiesige Kirchenrat und die Kirchengemeinde- Vertretung, sondern fast alle Einwohner von Swinemünde stehen auf der Seite der jüdischen Hausbesitzer und mißbilligen die Maßregel der ausschließlichen Steueraufhebung für die evangelischen Einwohner schon aus dem Grunde, werl der Wortlaut der Verordnung sich nicht