Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- A. C., Briesen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 686 (sequence 2)
- Language
- German
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686 Im deutschen Reich. darf, spekuliert sie auf diese mit der Ueberschrift: „Haymann gefällts nicht bei den Soldaten". L. R., Vreslau. Ueber einen Vorfall, der sich vor einem schlesischen Gerichtshöfe ereignete, wurde uns Nachstehendes berichtet: „Ein galizischer Jude wollte bei der Eidesleistung seine Kappe aufsetzen. Der Richter verwehrte es ihm, da der Jude vor einem deutschen Gericht sich nach deutscher Art zu benehmen und sein Haupt zu entblößen habe. Sprach's und setzte sich darauf sein Bgrret auf! C. P<, Beuthen. Zum Baue des Kreuzburger Gymnasiums har der Geh. Kommerzienrat Herr Simon Cohn nicht nur, wie die antisemitische „Hochwacht" behauptet, eine bedeutende Summe vorgeschossen, sondern 29 000 Mk. gestiftet. Als das Gymnasium 1891 „königlich" wurde, ist zwar die frühere Inschrift „Städtische und Simon Cohn'sche Stiftung" weggefallen, dafür aber zur Erinnerung an den Stifter eine Marmortafel am Gymnasium angebracht und einer legatarischen Bestimmung gemäß eine alljährliche Gedächtnisfeier in der Aula des Gymnasiums angeordnet worden, bei der nach einem wissenschaftlichen Vortrage stets des 1892 in Berlin verstorbenen Stifters gedacht wird. — Für das friedliche und freundliche Zusammenleben der Bekenner der verschiedenen Religionen, das in Kreuzburg vorhanden ist, gab der Verlauf der am 28. v. M. vollzogenen Einweihung der katholischen Waisen- und Kommunikanten - Anstalt „St. Anna- Stift" erhebende Kunde. Zu dieser Feier waren die Mitglieder des Synagogen-Gemeindevorstandes und die Repräsentanten einzeln geladen und sie nahmen fast vollzählig an derselben teil. Wie die „Kreuzburger Zeitung" berichtet, erwähnte Herr Pfarrer Moschek dies in der vom Altar aus gehaltenen Ansprache mit dm Worten: „Groß und für uns ehrend ist auch die Teilnahme seitens der hiesigen jüdischen Gemeinde." S. L., Chemnitz. Bekanntlich haben die Anhänger des im Wahlkampf unterlegenen Agrariers vr. Oertel im Freiberger Wahlkreise zahlreiche Ausschreitungen begangen, für die sie trotz glimpflicher Beurteilung immerhin gerichtliche Bestrafungen erleiden. Unter anderm fand auch in Oschätz aus solchem Grunde eine Verhandlung gegen ein Mitglied des Bundes der Landwirte statt. Der Gutsbesitzer und Landwehroffizier K. hatte nämlich am 16. Juni abends in einem dortigen Gasthofe, als der jüdische Kaufmann B., ohne K. irgendwie bemerkt zu haben, in einem Gespräche über die Wahlergebnisse der Meinung Ausdruck verlieh: „Oertel wird wohl abgesagt werden",