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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 684

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
R. M., Berlin
Date
1903-11-01
Page
684 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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684 Im deutschen Reich. Borgia, der typische Fürst der italienischen Renaissance, sei ein Spanier, Mazarin, Napoleon und Gawbetta seien Italiener, Cavour, der italienische Staatsmann, sei Franzose gewesen, Parnell, der ungekrönte König der irischen Katholiken, ein englischer Protestant, Disraeli, der Führer des britischen Adels, der Sohn eines bürgerlichen Juden usw. Brandes, der dabei die falsche Ausbeutung des Nationalismus gegen die Juden nur leise streift, sagt zuletzt: „Der Sah, daß niemand einen so großen Einfluß wie der Fremdgeartete erlange, ist wohl, auf die Spitze getrieben,. kaum mehr als ein geniales Paradoxon, allein er hat den Vorzug, menschliche, nichtnationalistische Gedanken anzuregen. L. G», Berlin. Daß am 16. September im Prozesse gegen Koch <L Jüngst der Staatsanwalt erklärte, daß die „heutigen" Juden unter keinem Ritualmordgesetze ständen und in der Urteilsbegründung die Behauptung, „daß auch die jetzige jüdische Religionsgemeinschaft den Ritualmord als Gesetz habe" als unwahr erklärt wurde, ist uns keineswegs entgangen. Wie wir zu solchen Erklärungen stehen, ist unsern Vereinsmitgliedern kaum zweifelhaft. Wir müssen im Interesse der Wahrheit und zur Ehre unserer Väter für Komplimente, die auf ihre Kosten den heutigen Juden gemacht werden, ganz ergebenst danken! D. C., Berlin. Wir halten die Mitteilung antisemitischer Blätter für unbegründet, daß ein christlicher Grundbesitzer in Qro bei Reval seine greise Mutter ermordet, ihre Leiche verbrannt, dann bei seiner Verhaftung erklärt habe, seine Mutter, die Eva heiße, wie die, welche den ersten Sündenfall verschuldete, zur Sühne für die Sünden der Menschheit geopfert zu haben. Aber selbst wenn sich in Rußland ein solcher Mord wirklich ereignet haben sollte, wäre dieser nicht als eine Kundgebung des religiösen Fanatismus, sondern als die Tat eines Wahnsinnigen zu beurteilen, der nicht auf das Schaffet oder in die sibirischen Bergwerke, sondern in das Irrenhaus gebracht werden sollte. H. M., Berlin. Auch der Tiroler Kurort Untermais, in dem Geheimrat Prof. vr. Lazarus seine letzte Lebenszeit verbrachte, ist der antisemitischen Hochflut verfallen. Das Hamburger „Deutsche Blatt" schreibt: „Einen stramm antisemitischen Beschluß faßte die Vertretung der Gemeinde Untermais, die mit Meran, Obermais und Grätsch den Knrbezirk Meran bildet. Der Jude Moritz Braun stellte das Ansuchen, die Gemeindevertretung wolle sein Gesuch

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