Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Schmiegel
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 673 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 673 wann des Bundes der Landwirte kann das edle Blatt unmöglich zum Juden stempeln! Fraustadt, 5. November. Herr Fabrikbesitzer Josef Rosenberg in Fraustadt hat am 23. v. M. an die Redaktion der „Germania" ein Schreiben gerichtet, dem wir nachstehendes entnehmen: „Aus Ihrer Zeitung ersehe ich die antisemitische Tendenz, und ich gestatte mir hierauf Folgendes zu bemerken: Herr Probst Tasch ist speziell durch meines Vaters Hilfe in der vorigen Legislaturperiode gewählt worden, was Ihnen dieser Herr bestätigen wird. Bei den diesjährigen Wahlen war mein Vater in Breslau am Krankenbette meiner inzwischen verstorbenen Mutter, und ich erhielt in Vertretung meines Vaters von der Freisinnigen Volkspartei in Berlin Anweisung, für Herrn Probst Tasch zu agitieren, was ich in ausgiebigster Weise in Stadt und Land tat. Ich bearbeitete auch die hiesigen Israeliten, die größtenteils Herrn Probst Tasch ihre Stimme gaben. Bevor ich s. Zt. für Herrn Probst Tasch agitierte, interpellierte ich den Herrn schriftlich über seine Stellung zum Judentum, da mir von befreundeter Seite nahegelegt worden war, daß fast jeder Katholik Antisemit sei. Ich habe aber von Herrn Probst Tasch zwei Briefe in Händen, die mir das Gegenteil beweisen sollten, in denen der Vermerk stand: ..Pax super Israel'4 beten auch wir Katholiken fast täglich im Brevier, und bei jeder Trauung wird der Segen Abrahams, Isaaks und Jakobs aus das Neuvermählte Paar herabgefleht." Daß Herr Probst Tasch nicht in die Stichwahl kam, daran waren seine Glaubensgenossen polnischer Zunge schuld." rn. Bütow, 2. Nov'. In der am 17. Oktober in Danzig stattgesundenen Schwurgerichtsverhandlung war u. a. auch der Vorsitzende des hiesigen Amtsgerichts, Amtsrichter Gribel als Zeuge geladen. Nach dem Berichte der „Dauziger Zeitung" sagte dieser Herr u. a. ungefähr folgendes aus: „Die Bütower religiösen Juden nehmen es mit einem Eide sehr genau; sie leisten nur ungern einen Eid und verlieren Lieber eine Forderung, als daß sie einen Eid leisten. Das wissen viele Schuldner der Juden in der Umgegend und sie nutzen das aus. Aber auch wir Richter wissen das, und wir richten uns hiernach bei der Urteilsfällung." Soweit die „Danz. Ztg." Der Antisemit Röhl aus Bütow, der gleichfalls Zeuge in diesem Termin war, hat dies den Lesern seiner Zeitung nicht mitgcteilt; trotzdem ist es hier bekannt geworden. A Pasewalk, 4. November. Am Tage, an dem die Rekruten des hiesigen Kürassier-Regiments in den Kirchen aus den Fahneneid