Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- C. G., Görlitz
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 614 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316711--11658-2332291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
614 Im deutschen Reich. Gemeinde Obrigkeit sein könne." Der Königliche Kreishauptmann hat jedoch auf Rekurs dies Bedenken nicht anerkannt und die Einführung angeordnet. Bei derselben erklärte der Amtsvorsteher, daß er an seiner Anschauung festhalte, sich aber selbstverständlich der Entscheidung der Vorgesetzten Behörde füge." Der hiesige Antisemiten-Moniteur druckt die Notiz mit der ironischen Überschrift „Aus der neuen Hofgesellschaft-' und dem Zusatz ab: „Dic Gemeinde Birkwitz beneiden wir uw ihrenneuenGemeindevorstehernicht." R. 8., Bütow. Da Sie uns bezüglich des in unserem Augustheft erwähnten judenfeindlichen Plakats des hochwohllöblichen Bürgermeisters von Münchweiler an der Rodalb aus die triumphierende Notiz des antisemitischen Bütower Amtsblattes verweisen, welches die Ueberschrift trug: „Des Bürgermeisters Antwortest teilen wir Ihnen Folgendes mit: Das samose Plakat des Herrn Jacob 'Wadle, dem auch das antisemitische „Bayerische Vaterland" zugejubelt hat: „Hut ab vor diesem Bürgermeister", ist längst wieder entfernt! — Münchweilers Dogen niemand tadle, denn Mut mit Vorsicht eint Herr Wadle! S. D., Posen. Wenn sich der Deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband in der Provinz den Anschein gibt, lediglich Berufsinteressen zu vertreten, so hält er das wenigstens in der Reichshauptstadt für überflüssig. Hier erweist er sich offen als eine Hilsstruppe des Deutschen Antisemitenbundes, der bei jedem Feste des Verbandes die Hauptrolle spielt und bei solchen Gelegenheiten von Vertretern des Vereins deutscher Studenten und anderen „nationalen" Vereinigungen begleitet wird. Bei dem 10. Stiftungsfeste des Handlungsgehilfen-Derbandes, das am 6. September im Lokal von Buggenhagen begangen wurde, eröffnete der antisemitische Abg. Fröhlich die Reihe der Redner, indem er die Gehilfen zum Kamps gegen den „talentvollen alten Adel Abrahams" auftief und sie aufforderte, zu verhindern, daß das deutsche Reich zu einer Resterhandlung herabsinke, in der „Männer wie Ballin und Goldberger auf dem ersten Platz stehen!" An die Verhöhnung eines kaiserlichen Ausspruches schloß sich mit der üblichen recht antisemitischen logischen Folge der gemeinsame Gesang „Heil Dir im Siegerkranz." Dann führte der stellvertretende Gauvorsteher Viktor Blobel aus, daß der Verband dazu beitragen wolle, eine scharfe Scheidung herbeizuführen „zwischen dem Teile unseres Volkes, der deutsch und vaterländisch fühlt, und den antinationalen sozialdemokratischen und jüdischen Elementen.^