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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 613

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
M. P., Breslau
Date
1903-10-01
Page
613 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten ver Redaktion. 613 spricht in diesem Briefe seine Entrüstung darüber aus, daß der Antisemitismus sich beim polnischen Adel heimisch gemacht hat, und er schreibt über die Veranlassung der judenfeindlichen Bewegung: „Die christlichen Geschäfte unseres Landes mit der Aufschrift „Im Namen Gottes" verkaufen minderwertige Waren um teures Geld oder, was noch schlimmer ist, mit doppelter Rechnung. Der christliche Handwerker arbeitet teurer, als der jüdische; der christliche Agent erfüllt die Aufträge seines Mandanten niemals so schnell und geschickt wie sein jüdischer Konkurrent. Wer ist daran schuld, daß unsere Juden das Geschäft in Händen haben? Der jüdische Kaufmann, der besser zu handeln versteht, oder der christliche Kaufmann, der dafür, daß er existiert, doppelte Rechnungen ausschreibt? Der jüdische Branntweinhändler oder der christliche Branntweintrinker? Der Jude, der sich mühsam sein Geld verdient oder der „Herr Gutsbesitzer", der Geld leichtsinnig auf Pump nimmt? Der Abscheu gegen die Juden ist wie jeder Haß aus dem Bewußtsein der Schwäche geboren. Wenn wir uns über das Uebergewicht der Juden beschweren, warum verteidigen wir uns nicht auf eine Art, die der modernen Kultur würdig ist? Denn die Verteidigung, die jetzt selbst in den Kreisen der adligen Gutsbesitzer Mode werden möchte, die Verteidigung durch den Antisemitismus, sollte von Christen nicht angewandt werden. Leicht ist es für uns, die Juden mit Vorwürfen und Beschuldigungen zu überhäufen, viel schwerer von ihrer Solidarität und ihrer gemeinsamen Aktionskraft zu lernen. Mögen immerhin unsere russischen Christen von den Juden, die sie verachten und verfolgen, Ausdauer in der Arbeit lernen und vielleicht auch bisweilen — Ehrlichkeit! Die Weltgeschichte hat uns mit den Juden gemeinsame Interessen gegeben; an uns ist es, mit ihnen in Frieden zu leben." Schließlich erinnert Tischkewitsch daran, daß der Antisemitismus wie in früheren Zeiten, so auch heute sich in rohen Gewaltausbrüchen äußert. Nichtsdestoweniger sei das jüdische Volk vorgeschritten, der Antisemitismus hingegen stehengeblieben in seinem düsteren Rahmen des Rassenhasses. Er habe kein Ziel und keine Zukunft. G., Görlitz. Die Mitteilung des „Neuen Görlitzer Anzeigers" lautet wörtlich: „In unserem Nachbarlande Sachsen hat sich neuerdings etwas ganz Ungewöhnliches ereignet, was gerade dort um so überraschender ist. In Birkwitz nahe bei Dresden wurde der jüdische Gutsbesitzer, Herr Emanuel Ephraim (früher in Görlitz wohnhaft, Bruder des hier verstorbenen Kommerzienrats L. Ephraim) zum Gemeindevorsteher einstimmig gewählt. Der Amtsvorsteher wollte die Wahl nicht bestätigen, „weil ein Jude doch nicht in einer christlichen

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