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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 611

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
A. K., Berlin
Date
1903-10-01
Page
611 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 611 der Mangel an nationaler Gesinnung bei den Juden den Antisemitismus in den Turnvereinen geweckt habe, und kommt zu der Forderung, daß die Juden verpflichtet seien, die „Kröcher und Kardorf" politisch zu unterstützen, um sich der Gleichberechtigung würdig zu erweisen. Das heißt den Spieß herumdrehen; der Antisemitismus ist weder von den Juden noch von der sogenannten „jüdischen Presse" erzeugt, sondern von rückschrittlichen konservativen Politikern, religiösen Fanatikern und von beutegierigen Glücksjägern künstlich in die Massen hineingetragen worden. Er hat das Volksleben der Juden, von denen viele entschieden konservativ und die meisten begeistert deutsch-national gesinnt waren, in politischer und sozialer Beziehung zu isolieren gesucht und gewaltsam zur Opposition gedrängt, versucht sie jetzt auch nach österreichischem Dorbilde aus den Turnvereinen zu verdrängen. Erst bewirkt der verschämte oder unverschämte Antisemitismus die Anschließung der Juden, dann aber macht er ihre erzwungene Abschließung ihnen zum schwersten Vorwurf und bezeichnet es als „Toleranz", wenn er ihnen die Gnade erweisen will, ihre besten Kräfte seinen Bedrängern zur Verfügung zu stellen. Für solche „Toleranz" danken wir — nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber! B. C., Berlin. Wenn das Blatt Bruhns von dem in Nimes in Frankreich geborenen Bernard Lazare behauptet, er habe eigentlich Lazarus geheißen und früher in Ostpreußen als Rabbiner amtiert, ist dies nur ein Ausfluß des antisemitischen Hasses, den sich der edelmütige französische Schriftsteller dadurch zuzog, daß er der erste war, der für die Unschuld des unglücklichen Hauptmanns Dreysus öffentlich auftrat und in verschiedenen Flugschriften die Unschuld des Gefangenen von der Teufelsinsel nachzuweisen suchte. In den letzten Jahren beschäftigte er sich eifrig mit der Lage seiner jüdischen Glaubensgenossen in Rumänien und Rußland. Die russische Regierung machte ihm das Anerbieten, aus ihre Kosten die russischen Provinzen zu bereisen und die dortige jüdische Bevölkerung durch seinen Einfluß dahin zu bringen, daß sie sich jeder Beteiligung an der revolutionären Bewegung enthalte. Der charaktervolle Schriftsteller lehnte dieses Anerbieten kurzweg ab. Ein Mitglied, Berlin. Anonyme Zuschriften wandern regelmäßig in den Papierkorb. P. 2., Charlottenburg. Unter der Spitzmarke „Jüdischer Religions-Unterricht auf Gemeindekosten" schrieb die „Deutsche Hochwacht" am 16. September: „Für die jetzt beginnende Ein-

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