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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 609

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
C. G., Berlin
Date
1903-10-01
Page
609 (sequence 3)
Language
German
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Brreflaften der Redaktion. 609 friedliche Lösung der Judenfrage im Herzen und Leben des Einzelnen. Es handelt sich nicht um „Seelenfang" und „Proselytenmachern", sondern um den neuen Bund laut Jeremias Kapitel 31, Vers 31 w., um den richtigen göttlichen Jom Kippur, dem das Opfer nicht fehlt. Wir wollen „Juden" bleiben, ja, es erst recht werden durch Erkennen und Annehmen unseres Messias. Damen und Herren sind herzlich eingeladen. Fragen werden gern beantwortet. Dr. (ums.) Wallfisch, Prediger. G. C., Berlin. Der „Schnorrer im Weltbad" überschriebene Artikel der „Neuen Bayrischen Landeszeitung", den die „Deutsche Hochwacht" einen „köstlichen Erguß" nennt, den sie „wegen seiner urbayerischen Sackgrobheit wörtlich wiedergiebt", ist so ekelhaft, daß es kaum lohnt, über diese antisemitischen Stilblüten ein Wort zu verlieren. Im Vergleich mit dem Verfasser solcher Schmutzartikel sind die Badegäste, welche darin ohne irgendwelchen Grund der Entwendung von Schirmen und Stöcken bezichtigt und als „Schnorrer", „Schmierpelze", „Gesindel", „exotische Lausjuden" usw. bezeichnet werden, sicher ganz ideale Naturen. In dem Artikel wird von Kissingen sogar behauptet: „Für kommende Jahre wird es sehr bös; denn die Behörden schreiten nicht ein, und diese Schnorrer - Gesellschaft vertreibt jeden anständigen Menschen." Wenn sich der Verfasser trotz seines. Schimpfregisters etwa zu diesen zu vertreibenden „anständigen Menschen" zählt, so kann er ja im nächsten Sommer zur Erholung nach Borkum gehen, dort wird er keine „langen Locken und scheußlichen Bärte" sehen. Dort wird er aber wahrscheinlich den Irrtum seiner Annahme erkennen, „daß wenn die Juden fort sind, am Schlüsse noch bessere Gäste sich einfinden". L. S., Berlin. Das von der „Deutschen Hochwacht" am 16. September veröffentlichte Gedicht „Was ich täte" gehört längst zum eisernen Bestand der judenseindlichen Hetzpoesie; es wirkt durch seine Albernheit und Rohheit so abstoßend, daß es der antisemitischen Propaganda unmöglich förderlich sein kann. Der Dichter, ein Gemütsmensch erster Güte, empfiehlt erst das Ersäufen aller Juden und sagt dann: War' so dies große Werk vollbracht Zu aller Völker Glück, Kehrt gern ich von der Gottesmacht Zum Menschentum zurück.

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