Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Frankfurt a. Main
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 595 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 595 „Sonntagsgruß" aber aus Zorn über den Widerstand das Kapitel „Judenfurcht" in die Diskussion zieht, so bekundet er damit seine — gelinde gesagt — Geschmacklosigkeit, die gerade einem solchen frommen Blatte doppelt schlecht zu Gesicht steht. Wahre Religiosität hetzt nicht gegen Andersgläubige, legt auch keinen Wert auf äußere Verstommung der Schulen, sondern kümmert sich um das eigene Seelenheil im stillen Kämmerlein, im Geist und in der Wahrheit". — Die „Frankfurter Neuesten Nachrichten" berichteten ausführlich über eine akademische Feier, die zu Ehren der 25jährigen Amtstätigkeit des Rabbiner vr. Marcus Horowitz am 13. v. M. in den Räumen der Frankfurter Loge abgehalten wurde. Die „Freie Chorvereinigung" leitete die Feier mit einer Hymne ein, und dann hielt Rabbiner Dr. Werner aus München die Festrede. Es folgte eine lange Reihe von Ansprachen; u. a. verlas Rabbiner Dr. Kottek eine Adresse des Rabbiner-Verbandes, Dr. Hirsch Hildesheimer eine solche des Rabbiner-Seminars in Berlin und im Aufträge der „Frankfurt-Loge" überreichte Herr Rechtsanwalt Dr. Blau dem Jubilar 4000 Mark, die er für wohltätige Zwecke verwenden soll. Am Abend des 14. September fand ein Festmahl im Saale der Frankfurt-Loge statt. München, 5. Oktober. Im Alter von 57 Jahren ist hier am 18. v. M. der Numismatiker Herr Dr. Eugen Merzbacher verstorben, der vor einiger Zeit wegen zunehmender Kränklichkeit aus dem Vorstand des Central-Vereins ausschied, an dessen Tätigkeit er stets lebhaftes Interesse bekundete. Der Dahingeschiedene gehörte auch der Vorftandschaft anderen wohltätigen und wissenschaftlichen Vereinen an, insbesondere dem Vereine zur Förderung jüdischer Wissenschaft in München, den er begründen half und bis vor einem Jahr leitete. Dem „Westf. Merkur" ist zur Charakteristik Prof. Ladenburgs, dessen Rede aus dem Naturforscher- und Aerztetag in Kassel allgemeines Aufsehen hervorgerufen hat, aus seinem Leserkreise folgendes berichtet worden: „Ladenburg war früher Jude, ebenso wie seine Frau; seine Kinder hat er gleich protestantisch Laufen lassen. Als er 1888 von Kiel nach Breslau versetzt wurde, bat er sich mit seiner Frau in Leipzig ebenfalls protestantisch taufen lassen." Das hindert das katholische „Regensburger Morgenblatt" nicht in einem seitenlangen „Unwahrheitsprofessor, Jude und Gottesleugner" überschriebenen Artikel, den freigeistlichen Gelehrten fortwährend als den „Juden Ladenburg" zu bezeichnen und