Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Konitz
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 593 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 593 Staatsanwalt beantragte 100 Mk. Geldstrafe bezw. 20 Tage Gefängnis; das Gericht billigte aber dem Angeklagten den Schutz des § 193 St. G. B. zu und erkannte auf Freisprechung. Hoffentlich ist in dieser Sache nicht das letzte Wort gesprochen! Pyritz, 3. Oktober. Der Knecht Paul Stöhr von hier hatte wiederholt abends in der Stettinerstraße den Kaufmann Kargauer mit „Heilrufen" belästigt und am 20. August in den Kargauerschen Laden „Jude. Heil" hineingerufen. Das hiesige Schöffengericht war der Ansicht, daß ein derartiges ungehöriges Betragen energisch bestraft werden müsse, um andere von dergleichen Ungebührlichkeiten abzuhalten, und verurteilte den Angeklagten wegen groben Unfugs zu 30 Mk. Geldstrafe bezw. 10 Tagen Haft. — Ortelsburg, 1. Oktober. Vor einigen Wochen hat die Vertretung der hiesigen jüdischen Gemeinde den Anlaß des 70. Geburtstages eines um die Verwaltung hochverdienten Vorstandsmitgliedes, Herrn Aron Zwillenberg, dazu benutzt, dem Jubilar die wohlverdiente Anerkennung zu erweisen. Als äußeres Zeichen derselben verehrte die Gemeinde dem Jubilar einen silber-vergoldeten Leuchter mit entsprechender Widmung. + Hamburg, 5. Oktober. Das Programm für den heute eröffneten Deutsch-sozialen Parteitag, für den die Herren Wilh. Schlack - Hamburg, Oberamtsrichter Brandis - Braunschweig, Graf Reventlow und Liebermann von Sonnenberg Vorträge zugesagt hatten, zeigt die unverkennbare Absicht, die eigentliche „Judenfrage" nicht mehr in den Vordergrund zu stellen. Diese Absicht bekundet sich auch in den Abänderungen, welche die Hamburger Versammlung beschlossen hatte, dem Parteitage zu empfehlen. Wir finden darüber, soweit sich das Programm mit dem Antisemitismus beschäftigt, nur folgendes zu bemerken: Der Absatz 2 soll nicht beginnen „Träger der Zersetzung", sondern „ein Förderer der Zersetzung ist das stammfremde jüdische Volk". Dann wird die Forderung konfessioneller Schulen und einer konfessionellen Eidesformel wiederholt. Köln, 2. Oktober. Die in dieser Zeitschrift (Heft 9 S. 538) besprochene Tatsache, daß die beiden farbentragenden Verbindungen der hiesigen Handelshochschule, „Hansen" und „Ubia" keine Juden aufnehmen und der Turnverein derselben Anstalt durch den Anschluß an den allgemeinen deutschen studentischen „Turnerbund" die Juden zum Ausscheiden zwingt, ist am 11. September in der Sitzung der