Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Schlochau
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 592 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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592 Hm Deutschen Rercd- Abraham Levi tötlich mißhandelt worden. Darüber berichtet der Graudenzer „Gesellige": „Die Leiche des in Siegers plötzlich gestorbenen Schriftsetzers Levi aus Warschau wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft seziert. Der Tod ist durch die au ihm verübte Körperverletzung erfolgt. Levi wurde in der Herberge von den Gästen geneckt und geprügelt. Man ließ ihn niederknien und das „Vaterunser" beten, welches er wohl schlecht oder garnicht konnte, weil er Jude war. Infolgedessen hat man ihn noch mehr geschlagen, so daß er in derselben Mcht starb. Die Täter, der Nachtwächter Vergin, Schuhmacher Gräber, Tischler Stutzke und Schlossermeister Halm, sind bereits von der Staatsanwaltschaft vernommen worden und dürften eine schwere Strafe erhalten, da sie sich nicht allein der schweren Körperverletzung, sondern auch der gröbsten Gotteslästerung schuldig gemacht haben." — Nach der „Ostd. Tagesztg." befinden sich die Totschläger noch auf freiem Fuße. Die Leiche des armen Schriftsetzers ist in Schlochau beerdigt worden. Es klingt wie Hohn, wenn die Staatsbürger-Zeitung die „Ausschreitungen" in Siegers für „bedauerlich" erklärt. Vielleicht gibt der Vorfall den Behörden Anlaß, darüber nachzudenken, wohin die „nur bildlich" gemeinten Aufforderungen zu Gewalttätigkeiten seitens der Herren Pückler und Genossen führen! Herr Reichstagsabgeordneter Boeckler erläßt aus Anlaß des Totschlags in Stegers in der Staatsbürger-Zeitung eine lange Erklärung, in welcher er alle längst widerlegten, jemals in der Schlochauer Gegend verbreiteten Hetzgeschichten zusammenkramt, um seine widersinnige Behauptung glaubhaft zu machen, daß die dortigen Juden die christliche Bevölkerung herausgefordert hätten. Offenbar wird den Herren Boeckler und Genoffen jetzt vor den Früchten ihrer Tätigkeit bange und sie fürchten, es könne ihnen, beziehungsweise ihren Freunden, übel ergehen. < Könitz, 2. Oktober. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich am 21. v. Mts. der Buchdruckereibesttzer E. G. R. Thimm aus Pr.-Friedland wegen Beleidigung durch die Presse zu verantworten. Im Frühsahr 1903 fanden in Pr.-Friedland Stadtverordneten-Ersatzwahlen statt. In der II. Abteilung wurde zum Stadtverordneten Kaufmann Wolf Gotthilf mit 21 von 24 abgegebenen Stimmen gewählt. Diese Wahl hat der Redakteur und Verleger des Pr.-Friedländer Anzeigers, Thimm in einem am 16. April 1903 erschienenen Artikel einer Kritik unterzogen und in dem Artikel behaupte:, „dem edlen Metall unterwerfe sich alles." Gotthils wurde also bezichtigt vermöge seiner finanziellen Lage seinen Einfluß geltend gemacht. Dm