Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 591

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Danzig
Date
1903-10-01
Page
591 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316711--11579-2332268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Korrespondenzen. 591 liches Hinscheiden in den weitesten Kreisen beklagt wird- Er war einer der Schöpfer der großen chemischen Fabrik bei Legan, die er bis zu seinem Tode leitete; er begründete die Aktienbrauerei Kleinhammer, wirkte in der Vorsteherschaft der Kaufmannschaft als Vorsitzender des Fachausschusses für Industrie und als Vorstandsmitglied verschiedener gemeinnütziger Vereine und Richtungen. Seit 1877 war er ununterbrochen Mitglied der Stadtverordneten - Versammlung. Mit großer Mühe ermöglichte er den Zusammenschluß der früher in Danzig vorhandenen fünf jüdischen Gemeinden und dann den Monumentalbau der neuen Synagoge und wirkte seit der Verschmelzung der Gemeinden als erster Vorsteher der Einheitsgemeinde. Als solcher bemühte er sich seit Jahren um die Gründung eines jüdischen Provinzial-Waisenhauses, welches am 1. Mai d. I. in Graudenz mit 16 Kindern eröffnet wurde. Bei der Trauerfeier in der Synagoge entwarf Rabbiner Dr. Freudenthal ein ergreifendes Bild von dem tatenrerchen Leben des Verstorbenen, und auf dem Friedhofe in Stolzenberg widmete der steüv. Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde, PH. Simson, dem langjährigen ersten Vorsteher der Gemeinde, schließlich auch Rechtsanwalt Or. Behrendt dem dahingeschiedenen Begründer des Graudenzer Waisenhauses einen ehrenden Nachruf. GrafPückler, der in Danzig zu einer bekannten Erscheinung geworden ist, hat, als hier die Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals stattfand, an dem offiziellen Festessen teilgenommen, an welchem sich auch die Minister v. Podbielski und v. Rheinbaben beteiligten. Man sah, daß Graf Pückler, von dem man wußte, daß er, der wiejederFestungsstuben-„Gefangene", höchstens fünf Stunden „großen" Urlaub haben konnte, am Montag nicht zur Festung Zurückkehrte, sondern ganz gemütlich nach dem Diner im „Danziger Hof" übernachtete. Daher stammte wohl die Annahme, daß der gräfliche „Festungsstuben-Gefangene" sich bereits auf freiem Fuße befände; tatsächlich war er aber einfach durchgebrannt. Erst am nächsten Morgen soll er sich in aller Seelenruhe wieder in der Festung eingefunden haben. Ob seitens der Danziger Kommandantur, die sonst in solchen Dingen keinen Spaß versteht, auch gegen den gräflichen Herrn Strafgefangenen die sonst üblichen Maßnahmen des „Einschließens" ergriffen worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. □ Schlochau, 10. Oktober. Die Hetzarbeit der Antisemiten trägt blutige Früchte. In dem Kreise, in dem Bruhn und Böckel, von Dorf zu Dorf ziehend, in Wort und Schrift, die Bevölkerung aufgereizt haben, ist der 50^Jahr alte jüdische Schriftsetzer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.