Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- J. Herzberg [Rezension]
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 559 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 559 Als die älteste Kunde, die wir über die dortigen Juden besitzen, wird ganz richtig das 1484 von Kasimir II (IV) dem Bromberger Rat bewilligte Zugeständnis angegeben, den Wochenmarkt in Bromberg am Sonnabend abzuhalten. Ein derartiges Vorgehen richtete sich gegen die Konkurrenz der Juden, wie dies Sigismund August 1563 in einem Erlaß zu Gunsten der Juden von Meseritz ausspricht, indem er dort den Juden zusichert, daß der Wochenmarkt niemals auf den Sonnabend verlegt werden darf. 1555 (wohl schon 1550) setzten die Bromberger, die bei Hofe mächtige Konnexionen besaßen oder sich großer Bevorzugung erfreuten, die Ausschaffung der Juden durch. Erst mit Friedrich dem Großen kehren sie wieder dahin zurück. Einige wenige erhalten 1773 die Erlaubnis, sich in Brom- Lerg niederzulassen; aus ihnen bildet sich eine kleine Gemeinde, welche nach innen wie nach außen harte Kämpfe um ihre Existenz und Selbstständigkeit zu bestehen hatte, bis sie in Folge des Flottwellschen Judengesetzes von 1833 immer mehr aufblüht und nach 1848 zur wichtigsten Gemeinde des Netzedistrikts heranwächst. 1852 stellt sie ihren ersten Rabbiner an, Dr. Gebhardt, dessen Bild mit besonderer Liebe und Hingebung von dem Verfasser gezeichnet wird. Gebhardt war in der Tat der erste, der in der Provinz Posen als moderner Rabbiner aufzutreten wagte. In Bromberg ließ er sich die Förderung und Ausgestaltung religiöser Einrichtungen angelegen sein und genoß überdies den Ruf eines vorzüglichen Kanzelredners. Es darf wohl als ein unbeabsichtigtes Versehen, das unterlaufen ist, angesehen werden, wenn von Städten wie Meseritz, Schwerin, Rawitsch, Zduny und Schrimm angegeben wird, daß sie ein Privilegium zur Ausschließung der Juden aus ihren Mauern besessen hätten. In Polen waren es neben den geistlichen Ortschaften nur vereinzelte Städte wie Thorn, Elbing, Fraustadt u. a., welche den Juden die Niederlassung verwehrten, während die dort angeführten Städte stets mehr oder minder zahlreiche jüdische Gemeinden in sich schlossen. Der Verfasser hat die Akten der Bromberger Gemeinde sehr ausgiebig benützt, hat es aber unterlassen, das Posener Archiv zu Rate zu ziehen, wodurch er manche Lücke und Unklarheit hätte aufhellen können. Jedenfalls aber hat er Dankenswertes geleistet; wir haben zum ersten mal von ihm über die jüdische Gemeinde Brombergs Kunde erhalten. Das Buch ist mit interessanten Illustrationen geschmückt, welche den Kontrast zwischen der alten und der neuen Synagoge veranschaulichen und "uns Gebhardts milde Züge wie eine Titelvignette zwischen dem äußeren und inneren Titelblatt zeigen, als gälte es, von vornherein eine freundliche Stimmung in