Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- C. K., Stettin
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 557 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 557 Händen sind, stützt das edle Blatt auf eine einzelne Nummer des „Konfektionärs", in der von sechs in Konkurs befindlichen Firmen nicht nur eine, sondern zwei Firmen in christlichen Händen sind. An den meisten andern Tagen ist aber das Verhalten umgekehrt, obgleich die Juden, in einzelnen Berufen durch engherzige Verhältnisse zusammengedrängt, unter oft sehr ungünstigen Verhältnissen im Geschäftsleben heutzutage einen sehr schweren Kampf ums Dasein führen. Wenn man ihnen die Möglichkeit gewährte, Offiziere, Verwaltungsbeamte, Richter u. dgl. m. zu werden, würden sie dem Ehrgeiz, bankerott Zu werden, gern entsagen. Solange die Helden der antisemitischen Bewegung, die Herren v. Liebermann, Böckel, Ahlwardt, Rechtsanwalt Jüngst und viele andere nicht öffentlich erklären, daß sie jederzeit ihre Verpflichtungen pünktlich erfüllt haben, kann man solche Zahlungsstockungen für kein speziell jüdisches Laster halten. L. M., Hamburg. Der „Redner in Berlin, welcher M. d. R. und noch dazu Leiter einer Tageszeitung ist", von dem das Hamburger Antisemitenblatt am 5. September schrieb: „Sollen wir ihm vielleicht brieflichen Unterricht in der deutschen Sprache anbieten?" ist der Held des deutschen Antisemitenbundes — Herr Wilhelm Bruhn! Mehrere Vereinsmitglieder in Aachen haben uns aus Anlaß des Schlußsatzes eines in unserem Augustheft Seite 486/87 enthaltenen Berichts übereinstimmend mitgeteilt, daß die Angabe, „von den Inhabern der Firma F. A. Seiler in Dessau würden bei Vergebung ihrer Aufträge jüdische Lieferanten grundsätzlich ausgeschlossen", unzutreffend sei. Die Firma stehe mit mehreren jüdischen Tuchfabriken in Aachen seit langen Jahren in Verbindung und gehöre zu den bedeutenden Abnehmern derselben. M. A., Hattingen a. Ruhr. Wir haben die Affäre in Groß- Krotzenburg nicht weiter verfolgt, weil unsere Erkundigungen an maßgebender Stelle das Ergebnis hatten, daß die Geschichte harmloser war, als der Bericht der „Kleinen Presse" zunächst annehmen ließ. Daß man nach der Reichstagswahl gerade die jüdischen Mitglieder des Kriegervereins herausgriff, um sie zur Rede zu stellen, erklärt sich dadurch, daß bei den nichtjüdischen Mitgliedern die Annahme näher lag, daß sie den Zentrumskandidaten gewählt hätten. Die Vernehmung erstreckte sich aber nicht auf die Stimmenabgabe, sondern es wurden die Einzelnen nur gefragt, ob sie sozialdemokratisch gesinnt seien. Sie verneinten dies, und darauf wurde weder in der betreffenden Vorstandssitzung, noch in der kurz darauf abgehaltenen Mitgliederversammlung irgend ein Beschluß