Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- K. A., Berlin
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Im Deutschen Reich. ein amtlicher kenntlich gemacht sei, als richtig nicht anzuerkennen. Ich darf in dieser Beziehung auf den Prospekt der Zeitschrift Hinweisen, der in dem ersten Heft des ersten Jahrgangs abgedruckt ist. Wäre der Aufsatz von Herrn Geheimrat vr. Petersilie verfaßt, so würde ich geneigt sein, ihn als eine amtliche Veröffentlichung anzusprechen. Üebrigens hat die Zeitschrift aÄch einen hochoffiziösen Charakter, da sie von dem Präsidenten des Statistischen Bureaus amtlich herausgegeben und von einer staatlichen Behörde, amtlich verlegt wird. Unter diesen Verhältnissen wird die Redaktion Aufsätzen die Aufnahme versagen, in denen Meinungen vorgetragen werden, die — vom Standpunkt der Regierungspolitik aus betrachtet — als ketzerisch anzusehen sind. Herr Erich Petersilie hat in seiner Abhandlung von einer israelitischen Rasse gesprochen. Er hat ferner angeführt, daß in Deutschland den Juden der Eintritt in einige Berufe durch das herrschende Vorurteil außerordentlich erschwert, ja mitunter unmöglich gemacht werde, so beispielsweise in den Offizierstand. Meine Verwunderung darüber, solchen Ansichten in der Zeitschrift des Statistischen Bureaus zu begegnen, bleibt durchaus bestehen. Denn erstens wird das Judentum in amtlich herausgegebenen Publikationen in der Regel nur als ein besonderes Religionsbekenntnis charakterisiert, und zweitens kann ich mich nicht erinnern, in einer amtlich herausgegebenen Publikation schon gelesen zu haben, daß den Juden der Eintritt in verschiedene Berufe, zum Beispiel in den Offizierstand, durch ein — nach Ansicht des Verfassers offenbar verwerfliches — Vorurteil erschwert oder unmöglich gemacht werde. Friedenau bei Berlin, den 13. August 1903. gez. vr. Hans Paalzow, Oberbibliothekar an der Königlichen Bibliothek. Auch wir verwundern uns — aber nicht über Herrn Erich Petersilie! O. G., Berlin. Der Artikel „Adolf Bartels und das Judentum^, der an eine judenfeindliche Aeußerung Voltaires anknüpst und mit Glossen über die „Lessingsche Parteibrille" schließt, kann nur auf Leute Eindruck machen, denen es unbekannt ist, daß Voltaires geschäftliche Konflikte mit einem Berliner Juden zu einem ärgerlichen Skandal Anlaß gaben und seine Entfernung aus Berlin herbeisührten. Bartels Literaturgeschichte wird nie den Ruhm Lessings schmälern; daß von der „Staatsbürger-Ztg." zu ihrer Verteidigung ein vielfach mißverstandener Ausspruch Mommsens herbeigezogen werden muß, den dieser freisinnige Denker selbst später Zurückgezogenhat, kennzeichnet den antisemitischen Literaturhistoriker hinreichend.