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Im deutschen Reich · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. 551

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
London
Date
1903-09-01
Page
551 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 551 von ihnen wurden bei diesem Zusammenstoß verletzt, darunter einer ernstlich., Später sammelte sich eine große Menschenmenge vor der Einfahrt in die Schieferbrüche an, um dort das Erscheinen der jüdischen Arbeiter abzuwarten. Die Häuser der letzteren wurden mit Steinen bombardiert. Dreihundert von ihnen kamen aus Furcht vor der aufgeregten Menge in den Straßen nicht zur Arbeit. Eine starke Polizeimacht gab ihnen dann Geleit und blieb während des ganzen Tages im Dienst." — Wahrscheinlich sind die Unglücklichen aus der ihnen von der deutschen Antisemitenpresse beständig nachgesagten Abneigung gegen körperliche Arbeit (?) in die Schieferbrüche gegangen! X Petersburgs 2. September. Die Kischinewer Unruhen werden ihren Abschluß in zwei Prozessen finden, die erst im Dezember zur Verhandlung gelangen. Der eine wird in Tiraspol, einer kleinen Stadt in der Nähe von Kischinew, verhandelt werden und die Entschädigungsklage der geschädigten Kaufleute auf 2 800 000 Rubel Schadenersatz gegen die Regierung, da sie es an dem nötigen Schutz fehlen ließ, zum Gegenstand haben. Der andere Prozeß, der die Unruhen selbst behandelt, wird in öffentlicher, nicht wie bisher beabsichtigt war, in geschlossener Sitzung durchgefübrt werden. — Inzwischen hat der Heilige Svnod behufs Verhütung neuer judenfeindlicher Ausschreitungen bestimmt, daß überall, wo solche zu befürchten stehen, die Ortsgeistlichen alsbald das Volk darauf Hinweisen sollen, daß ein solches Gebühren eines orthodoxen Christen unwürdig sei, daß auch die Juden die Untertanen des Zaren seien, wie die Orthodoxen, und daß Ausschreitungen gegen die Juden die öffentliche Ordnung stören und Handel und Wandel lähmen. Dieselbe Erkenntnis hat das russische Finanzministerium veranlaßt, folgende Vergünstigungen für die durch die Unruhen in Kischinew so schwer geschädigten jüdischen Geschäftsleute zuzulassen: Gewährung von Kredit an die örtliche Vorschuß- und Sparkassengesellschaft für Handwerker und Kleinhändler seitens der Staatsbank, weitere Gewährung von Kredit an Firmen, deren Wechsel protestiert sind, bis September 1908, Verlängerung des Termins zur Entrichtung der Repartitionssteuer, Eröffnung eines größern Kredits für Personen, deren Handel durch die Unruhen gelitten hat, Vergrößerung des örtlichen Diskonto- Komitees durch Eintritt eines orthodoxen und eines jüdischen Mitgliedes.

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