Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Karlsbad
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 550 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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550 Im deutschen Reich. erhob darauf ein Geschreis und die zwei „Zierden" entfernten sich unter unflätigem Geschimpfe und Gejohle. Charakteristisch für die ganze Karlsbader „nationale" Bewegung ist es, daß sich der deutsche Mut dieser Buben gerade nur gegen arme Juden austobt. Unserer Ansicht nach ist die ganze antisemitische Bewegung in Karlsbad ein Schandfleck für den ganzen Ort." > Prag, 2. September. Der Verleger des in Prag alljährlich erscheinenden Brandeisschen illustrierten israelitischen Volkskalenders hat dem italienischen Kriegsminister, General Graf Guiseppe OLtolenghi, der bekanntlich Jude ist, eine Skizze gewidmet, welche in dem Volkskalender veröffentlicht war. Der Minister richtete hierauf an den Verleger ein Schreiben, in welchem er für das ihm übersandte Exemplar des Kalenders verbindlich dankte. Der Schluß des Brieses lautet: „Ich bin stolz darauf, dargetan zu haben, wie man bei uns in der Armee zu den höchsten Würden gelangen und auch — zum erstenmale — die höchste Stufe eines Kriegsministers erreichen kann, ohne den Glauben seiner Ahnen verheimlichen oder verleugnen zu müssen. Indem ich Ihnen u. s. w. Gen. G. Ottolenghi." K> Basel, 1. September. Der am 24. v. M. hier eröffnete diesjährige Zionisten-Kongreß war ungemein Zahlreich besucht. Die Zahl der Deligierten soll über 700 betragen haben: bei der Eröffnung waren in dem Saale noch an zweitausend Personen anwesend, welche den Dr. Theodor Herzl, welcher die Eröffnungsrede hielt, mit stürmischem Jubel begrüßte. Der Kassenbericht und der allgemeine Geschäftsbericht des Aktionskomitee wurden ebenfalls beifällig ausgenommen. An die Berichte schloß sich eine ziemlich erregte Diskussion. □ London, 3. September. „Daily Graphic" und „Dailv Expreß" melden aus Dowlais in Südwales: „Eine größere Anzahl Juden, meistens polnischer und rumänischer Herkunft, ist in den dortigen Schieferbrüchen beschäftigt. Die irischen und auch die anderen Arbeiter sind damit sehr unzufrieden und weigern sich vielfach, mit den Juden zusammen zu arbeiten. Die ersten Anzeichen einer ernsten Lage, die sich inzwischen bedrohlich gestaltet hat, traten am 31. August auf. An diesem Tage wurden zwei jüdische Arbeiter auf der Landstraße angegriffen. Am nächsten Tage wurde eine Abteilung von zwanzig jüdischen Arbeitern an derselben Stelle belästigt. Sie leisteten entschlossenen Widerstand, bis sich eine feindlich gesinnte Volksmenge ansammelte, vor der sie fliehen mußten. Mehrere