Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 549 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 519 der neunziger Jahre die von der Antisemitischen Buchhandlung verlegten Schriften des jungdeutschen Dichters und Dühringianers Dr. Eduard Schwechten. Auf Betreiben der Judenschaft hatte man gegen Schwechten und die Vorstandsmitglieder des deutschsozialen Vereins Anklage wegen Aufreizung zum Klaffenhaß erhoben und „Das Lied vom Levi" polizeilich beschlagnahmt. Der Fall erregte damals gewaltiges Aufsehen. Schwechten wurde freigesprochen und die Freigabe des Leviliedes mit unaussprechlichem Jubel begrüßt. Von anderen im Verlage von Eduard Hensel erschienenen Schriften seien hier genannt „Die Juden in Köln" von Theodor Franzen und eine Broschüre von Werner Bartlin, die sich gegen die bekannten Geschäftspraktiken der Berliner Versicherungs-Gesellschaft „Viktoria" richtet." - vr. Schwechten lebt nicht mehr, - von den Toten nur Gutes, aber ob die literarischen Leistungen der lebenden Trabanten der Firma Hensel in nichtantisemitischen Kreisen so geschätzt werden, daß sie der Derlagsfirma zu besonderem Ruhme gereichen, ist mehr als zweifelhaft' D- Darmstadt, 3. September. Auf eine Eingabe an das General-Kommando des zehnten Armeekorps betreffend Befreiung der jüdischen Soldaten an den hohen Festtagen vom Dienst, erhielt Herr Rabbiner Dr. Marx - Darmstadt den folgenden Bescheid. „Auf das Gesuch vom 18. d. Mts. teilt das General-Kommando ergebenst mit, daß der Einstellungstag für Einjahrig-Freiwillige jüdischen Glaubens auf den 3. Oktober festgesetzt ist. Die Truppenteile rc. sind ein für allemal mit Anweisung versehen, jüdische Mannschaften an ihren Feiertagen vom Dienste zu befreien, falls keine dienstlichen Bedenken vorliegen. Der kommand. General gez. v. Lindequist." Karlsbad, 2. Sept. Das „Karlsbader Tageblatt" schreibt: „In der Egerstraße lehnte am Mittwoch am Gartenzaun der Billa Mattoni ein gebrechlicher Greis in der Tracht der polnischen Juden, der offenbar einen schweren Anfall von Atemnot hatte. Bor ihm hatten sich zwei halbwüchsige, mit Kornblumen und schwarz-rot-goldenem Gürtel „geschmückte" Burschen aufgepflanzt, die den armen gequälten Juden durch Gemauschel und Geberden verhöhnten. Die Passanten waren empört über diese Roheit, und da von einem Sicherheits- Wachmann nicht die Spur zu finden war, schickte sich ein Herr an, einen Polizisten telephonisch herbeizurusen, um dieser widerlichen Szene, die bei einigen deutsch-nationalen Geschäftsleuten, die vorbeigingen, noch Beifall fand, ein Ende zu machen. In diesem Moment sprang einer der Jünglinge plötzlich an die Gartenmauer und spuckie dem Alten in den neben ihm stehenden Becher. Der wehrlose Jude