Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Zur Frage der Kolonisation
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 527 (sequence 2)
- Language
- German
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Zur Frage der Kolonisation. 527 auf kleinen Flächen intensiv zu betreibende landwirtschaftliche Tätigkeiten darfteüen. Ja selbst auf wenig fruchtbarem Boden lassen sich bei gehöriger Bodenbearbeitung (elektrische Tiefkultur) und Düngung mit mineralischem Dünger Ernten erzielen, die das dreifache der normalen übertreffen. Das soeben erschienene Pros. Backhaus'sche Werk über das Versuchsgut Quedenau in Ostpreußen dürste die besten und modernsten Erfahrungen auf diesem Gebiete darstellen, und es hat besonders in den Reihen der Hochschutzzöllner unliebsames Aufsehen erregt. Wenn man bedenkt, wie viele Millionen Mark alljährlich für Obst, Gemüse, Eier, Geflügel ins Ausland gehen, so wird ohne Weiteres die große Bedeutung eines entsprechenden systematischen Vorgehens klar, umsomehr als die mehr und mehr in Aufnahme kommende Herstellung von Dörrgemüsen eine wachsende Bedeutung für die Volksernährung und den Export hat. Fast ist mit den angedeuteten neueren Methoden die Prophezeiung Werner v. Siemens in Erfüllung gegangen, daß es einstens gelingen werde, Nahrungsmittel aus chemischem Wege in beliebiger Menge zu erzeugen, allerdings bisher noch auf dem Umwege durch die mütterliche Erde. Wenn man aber bedenkt, daß diese Methoden noch rentabel sind, d. h. den Schweiß der Arbeit reichlich bezahlen und wegen der überaus großen Intensität der Bodenbearbeitung nur geringe Landmengen erfordern, die sogar aus schlechter Beschaffenheit in guten Kulturzustand übergeführt werden können, so schrumpfen die Schwierigkeiten der Kolonisation im eigenen Vaterlande erheblich zusammen. Es wird nur der in solchen Fällen jetzt vielfach gewählte und bewährte Weg einzuschlagen sein, durch eine „Studiumgeseüschaft" die Bedingungen für Ort, Leistungen, Geldbedarf, Belehrung, Anzahl u.s.w. festzustellen. Eine solche Gesellschaft würde zweckmäßig eine Versuchsanlage schaffen müssen, welche später zu einer umfangreichen Kolonie vergrößerungsfähig ist. Als Grundsatz ist festzuhalten, daß stets auf Selbsterhaltung der einzelnen, selbständigen kleinen Anlagen hinzuarbeiten ist, was schon für die Bildung der Gesellschaft als vorteilhaft sich erweisen wird. Selbst im Vertrauen auf den oft bewiesenen Opfermut unserer wohlhabenden Glaubensgenossen sollten nickt größere Summen ä fond perdu angelegt werden, weil die Verzinsung das beste Kriterium für die rationelle Anlage bildet. — Die hier m Fluß gebrachte Frage ist von hoher Bedeutung nicht nur für die Gesundung der im geistigen und Handels-Kampfe der Aufreibung verfallenden Volksgenossen durch Rückkehr zur Beschäftigung in der heilsamen Natur, sondern auch weil