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Im deutschen Reich · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. 499

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Wien
Date
1903-08-01
Page
499 (sequence 2)
Language
German
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llorresrondenzen- 499 Direktor es unmöglich gemacht hatte, jüdische Künstler zu beschäftigen oder Werke jüdischer Autoren und Komponisten aufzusühren. Die Folge war, daß die jüdischen Zuschauer ausblieben, die in Wien einen Hauptstock der Theaterbesucher bilden, und daß die großen Zeitungen das Parteitheater der Christlich-Sozialen mit Ingrimm bekämpften. Anderseits zeigte sich die christlich-soziale Rathauspartei weder geistig stark noch materiell opferfähig genug, um ein derartiges antisemitisches Theater zu erhalten, sodaß Müller-Gutenbrunn sich gezwungen sah, seinen noch 8 Jahre laufenden Pachtvertrag an Rainer Simons abzutreten, dem man im Rathause schließlich den „Judenpunkt" opferte, um das Theater ohne große Geldopfer zu erhalten. Der Wiener christlich-soziale Antisemitismus hat in der Theaterfrage eine Niederlage erlitten, denn das Jubiläums-Stadttheater hon auf, ein antisemitisches Parteitheater zu sein. Warschau, 2. August. Im September v. I. hatten in Czenstochau einige hundert Personen bei helllichtem Tage mehrere Juden überfallen, mißhandelt und deren Läden geplündert. Das Militär mußte damals von der Feuerwaffe Gebrauch machen, wobei zwei Personen erschossen und sieben schwer verwundet wurden. Von den 71 Angeklagten wurden vom Kreisgericht in Petrikau 17 Personen ganz freigesprochen, dagegen 29 in die Strafkompagnien gesteckt, 20 zu Gefängnisstrafen und 5 zu Haftstrafen verurteilt. Kürzlich fand vor der Warschauer Gerichtskammer die Appellverhandlung statt, bei welcher die Angeklagten von zwölf Advokaten verteidigt wurden. Das endgiltige Urteil lautete: 4 Personen wurden neuerdings freigesprochen, 8 zu zwei Monaten Gefängnis, einer zu 4 Monaten, drei zu sechs Monaten, drei zu 6 Wochen verurteilt. Das Urteil gegen die übrigen 33 wurde bestätigt. 0% Uereiitsnachrjchlen. HAer Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ver- $¥ dankt dem Eifer seiner Vertrauensmänner eine beständige Vermehrung der Zahl seiner Einzelmitglieder in fast allen Teilen des Deutschen Reiches, die sich in den Sommermonaten, also in der für die Werbearbeit am mindesten günstigen Zeit des Jahres, aus beinahe 15 000 erhöht hat. In demselben Maßstabe verwehren sich aber auch die an den Verein gestellten Anforderungen, und die Bureaugeschäfte haben einen solchen Umfang gewonnen, daß die bisherigen Bureauräume

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