Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Gießen
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 498 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Im deutschen Reich. kirchliche Weihe des Friedhofs zu untersagen, vielmehr diese Weihe auf jedes einzelne Grab Zu beschränken." > Luxemburg, 9. August. Im eben vollendeten 60. Lebensjahre ist am 3. d. M. der Rabbiner Dr. I. Blumenstein plötzlich am Herzschläge verstorben. Als der einzige cffiZielle jüdische Feldprediger während des Krieges 1870/71, war er es, welcher jenen jüdischen Feldgottesdienst abhielt, welcher durch das Bild „Jom Kippur im Felde" weithin bekannt worden ist. In Anbetracht^seiner Dienste während jenes Feldzugs wurde ihm das Eiserne Kreuz am weißen Bande verliehen. In Luxemburg, wo er 32 Jahre segensreich gewirkt hat, erfreute er sich allgemeiner Verehrung. Der hiesige nationalliberale „Volksbote" schreibt: „Am Leicheuzuge, der sich von der Synagoge aus bewegte, nahmen teil Vertreter der Regierung, des Staatsrates, der Deputiertenkammer, des Obergerichtshofes, des Bezirksgerichtes, der Staatsanwaltschaften, der Bureaus des Stadtrates, der Militärbehörden, der Presse usw. usw. Das Konsistorium war vollzählig erschienen; ebenso war die hiesige Loge, deren Mitglied er gewesen, sehr Zahlreich vertreten. Eine vielhundertköpfige Menschenmenge aller Stände und aller Konfessionen angehörend, bildete den Schluß des Leichenzuges." Der Bericht schließt mit den Worten: ,,Sein Andenken wird nicht blos bei seinen Religionsgenossen, sondern auch bei allen Andersgläubigen stets gesegnet bleiben!" Pilsen, 2. August. Unter der Ueberschrift „Ein Regimentsbefehl gegen den Antisemitismus" berichtet das „Pilsener Tagblatt": „Eine aus 36 Mann bestehende Abteilung des 12. Landwehr - Infanterie - Regiments erschien beim Tabakverleger Weiner in Czaslau zur Tabakfassung, wobei ein Landwehrmann den Tabakverleger Weiner, der Jude ist, in unqualisizierbarer Weise verspottete. Der Tabakverleger beschwerte sich beim Regiments- Kommandanten Oberst Müller, welcher einen Regimentsbefehl erließ, in dem er in energischer und sehr strenger Weise von sämtlichen Angehörigen des Regimentes Achtung vor allen Konfessionen verlangt. Der Korporal, der die Abteilung führte und den Mann .nicht zurechtwies, wurde zu 20 Tagen, der Mann zu 10 Tagen Arrest verurteilt, die übrige Mannschaft erhielt vor dem Rapporte eine strenge Rüge." de Wien, 1. August. Der Wiener Gemeinderat genehmigte in geheimer Sitzung die Uebergabe des bisher von Adam Müller-Gutenbrunn geleiteten Jubiläums-Stadttheaters an den neuen Direktor Rainer Simons unter Verzicht auf den „Judenpunktch durch den die in der Wiener Gemeinde herrschende Antisemitenpartei dem blsherigen