Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Pirmasens
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 496 (sequence 2)
- Language
- German
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496 Im deutschen Reich. Lokal unter allen Umständen untersagt." Hat der betreffende Gastwirt das Plakat nur angehestet, um fein Lokal „judenrein" zu halten, so werden sich die israelitischen Besucher Münchweilers zu trösten wissen; allein, da dieser Herr gleichzeitig Bürgermeister ist, so bekommt die Sache einen amtlichen Charakter, denn wenn kein Jude dessen Lokalitäten betreten soll, so ist es demselben unmöglich gemacht, zu dem Bürgermeister von Münchweiler a. d. Rodalb zu gelangen. Wir fragen aber, ist dies die christliche Nächstenliebe, die bei.jeder Gelegenheit im Munde geführt wird? Ist das die Toleranz, mit der sich gerade die Religionsgesellschaft, welcher der betreffende Bürgermeister angehört, stets brüstet? Mehrere deutsche Staatsbürger israelitischer Konfession." — Darauf erteilte der Bürgermeister Jakob Waldle aus Münchweiler in der „Pirmasenser Zeitung" folgenden Bescheid: „Durch die Plakate „Juden ist der Eintritt strengstens verboten", die ich an meiner Ladentüre angebracht habe, störe ich wohl nicht im geringsten den konfessionellen Frieden in der Pfalz, sondern schütze mich vor manchem Ungemach und spare Zeit und Aergernisse. Meine Handlungsweise ist also ganz privater Natur, und wer mich als Bürgermeister sprechen will, kann dies wohl im Gemeindehaus. Außerdem wäre es für Münchweiler gar kein Schaden, wenn es künftig von israelitischen Besuchern gänzlich verschont bliebe." — Darauf erwiderten die Einsender der ersten Notiz: „Wir werden uns bemühen, den Wunsch des Herrn Bürgermeisters, Münchweiler nicht mehr zu besuchen, unseren Glaubensgenossen soviel als möglich bekannt zu geben. Sollte indessen die aufblühende Industrie in Münchweiler darunter leiden, so würden wir es sehr bedauern; indessen hätten die Interessenten dann Gelegenheit, sich bei ihrem Ortsoberhaupte für seine väterliche Fürsorge zu bedanken. Der übrige Inhalt des gestrigen „Eingesandt" bewegt sich in einem so schmutzig antisemitischen Fahrwasser, daß wir unter unserer Würde halten müssen, darauf zu erwidern." □ Stuttgart, 1. August. Der 72. Bericht des israelitischen Waisenhauses „Wilhelmspflege" in Eßlingen enthält sehrerfreuliche Mitteilungen. Die Anstalt, welche jetzt ein Vermögen von 440 000 Mk. besitzt, nahm an Zinsen 15 027, an Spenden 9 993, an Legaten 3 780 Mk. ein und verausgabte 19 811 Mk. Die Zahl der Zöglinge beträgt 21 sowie 3 Fortbildungsschülerinnen. An der Anstalt wirken zwei Lehrer und eine Aufseherin. Dem „Sparhafen" der Kinder hat die Königin von Württemberg auch im abgelaufenen Jahre eine Spende zugewendet. Ein in Portland (Vereinigten Staaten)