Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Leipzig
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 495 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316709--11356-2331946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 495 hauptet fcwrbe, die Religion der Juden schreibe vor, Christen zu schachten und deren Blut dem ungesäuerten Osterkuchen beizumischen. DaZ Gericht hat festgestellt, daß der Artikel auch eine gewisse Roheit des Tones zeigt, indem er von der „beschnittenen Gesellschaft^ u.s.w. spricht. Die behauptete Tatsache, so heißt es im Urteile, ist nicht wahr. Wenn der Brauch des Christenschlachtens wirklich existierte? so müßten jährlich Tausende von Christen geschlachtet werden, um das Bedürfnis der Juden Zu decken. Der Beweis, ist auch nicht erbracht, daß in den jüdischen Religionsbüchern jener Brauch vorgeschrieben sei. Die Revision des Angeklagten Paul Koch enthielt prozessuale und materielle Beschwerden. Der Verteidiger suchte insbesondere nachzuweisen, daß nicht festgestellt sei, welche -Religionsgesellschaft beschimpft worden, und daß der Begriff der Beschimpfung vom Gerichte anerkannt sei. Das Reichsgericht erkannte abemauf Verwerfung der Revision, da das Urteil einen Rechtsirrtum nicht enthalte. r-c Fürth, 2. August. In der unter dem Vorsitze des Herrn Justizrats Gu uzen Häuser am 11. Juni d. Js. hier abgehaltenen Generalversammlung des Landesvereins für israelitische Kultusgemeinden in Bayern berichtete Herr Rabbiner vr. Werner-München über die Tätigkeit der Abwehr-Kommission, Herr Martin Lebrecht-Nürnberg über die Organisation des Armenwesens, Herr Justizrat Ofner-München über die durch die neue Gesetzgebung notwendig gewordene Veränderung der Statuten. Bei den verschiedenen Punkten, die während der Versammlung beraten wurden, wurde auch auf einzelne allgemeine jüdische Organisationen in Deutschland hingewiesen. Herr Rabbiner Dr. Werner legte es in seinem Referate dabei den Vertretern der Gemeinden ans Herz, in ihren Kreisen für den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nach.Kräften tätig zu sein. Der bisherige Ausschuß und die Vorstandschaft des Landesvereins wurden einstimmig wiedergewählt. * Pirmasens, 2. August. Die „Pirmasenser Zeitung" veröffentlichte nachstehendes „Eingesandt": „Das gemütliche, friedliche Zusammenleben der konfessionell gemischten Bevölkerung der Pfalz soll nunmehr eineu Riß bekommen. Kein Geringerer als der hochwohllöbliche Bürgermeister von Münchweiler a. d. Rodalb hat die „Schmach des Jahrhunderts", wie Könige und Fürsten den Antisemitismus benannt haben, nach dem ihm unterstellten Dorfe Münchweiler verpflanzt; denn an seinem Geschäftslokale prangen zwei mit Tinte geschriebene Plakate: „Juden ist der Eintritt in .dieses