Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Dortmund
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 492 (sequence 2)
- Language
- German
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492 Im deutschen Reich. Central-Verein erfreute sich seit seinem Bestehen dieser Mitarbeit, der er den Beitritt Zahlreicher Mitglieder in Dortmund verdankt. Wir beklagen das Hinscheiden dieses hochgeschätzten Vertrauensmanns und werden sein Andenken stets in Ehren halten! Hannover, 1. August. Bei der Feier des zehnjährigen Bestehens der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem waren am 24. Juni a. c. Vertreter der Staats-, Provinzial- und städtischen Behörden und der evangelischen Geistlichen anwesend. Im Namen des Kuratoriums begrüßte Justizrat Dr. Berend die Teilnehmer. Die Eigenart der Anstalt beruhe in der Vereinigung der verschiedenartigen Mittel für die Erziehungszwecke. Durch die Hinführung der Zöglinge zur Gärtnerei und zum Ackerbau und Handwerk wurde in ihnen die Freude an einer produktiven Tätigkeit und die Liebe zur Natur geweckt. In dem Mädchenheim solle auch dem weiblichen Geschlecht eine praktische Erziehung für das Leben zu teil werden. Es sei ferner geplant, bei Hannover einen Hof anzukausen, um dort das Unterrichtswesen mit der Landwirtschaft in größerem Maße zu verbinden. Die Anstalt sei auch über die Grenzen des Reiches hinaus zur Bedeutung gelangt; sie öffne ihre Pforten auch den Kindern der im fernen Osten im Elend schmachtenden Glaubensbrüder. Aber die Anstalt solle deutsch bleiben; deutsche Sprache, deutsche Sitte und deutscher Geist solle in ihr eine Pflegstätte haben. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Namens der Gäste dankte Regierungspräsident v. Philippsborn für die Einladung und gab seiner Freude über die Anwesenheit der Gräfin Waldersee Ausdruck. Die Fest- und Weiherede hielt Landrabbiner Dr. Gronemann. Der hier von dem Begründer eingeschlagene Weg sei nicht neu, sondern eine Rückkehr zu den Einrichtungen, die das alte Israel schon in seiner agrarischen Gesetzgebung gehabt habe, bis es später nach dem Verluste der Selbständigkeit durch die Verfolgungen zum Handel getrieben worden sei. Die Anstalt solle ihre Zöglinge zu treuen Anhängern ihres Glaubens, aber auch zu treuen Bürgern des Vaterlandes erziehen; sie solle das Trennende zwischen Abstammung und Glauben, das heute mehr als zu viel betont werde, überwinden helfen. Konsul Simon berichtete dann über Ziele und Entwickelung der Anstalt. Er sei nicht der erste, welcher den Gedanken, die Juden zur Bodenkultur und zum Handwerk zurückzuführen, aufgegriffen habe. Man habe aber nicht mit der Erziehungsarbeit bei den Kindern begonnen und darum nicht immer die erhofften Erfolge erzielt. Er schloß mit einem Hoch auf das Vaterland und den Herrscher, worauf die Feier mit dem Gesänge „Arbeit ist des Bürgers Zierde" schloß.