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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 452

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
M. K., München
Date
1903-06-01
Page
452 (sequence 2)
Language
German
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452 Im deutschen Reich. beschuldigt worden seien. Die von Guarinoni poetisch ausgeschmückte Erzählung klingt so märchenhaft und selbst — wenn man von erst nach Jahrhunderten erfolgter unsicherer Wiedergabe absieht — so wenig begründet, daß Professor Hermann L. Strack in seinem Buche „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" über dieselbe sagt: „Sogar aus der im höchsten Grade parteiischen Darstellung von Deckert kann der prüfende Leser erkennen, daß ein Ritualmord nichts weniger als erwiesen ist!" L. C., Wien. Die belastende Aeußerung enthält keine direkte Beleidigung deutscher, sondern eine solche österreichischer Behörden, konnte also, da von beteiligter Seite kein Strafantrag gestellt wurde, die Staatsanwaltschaft nicht veranlassen, vorzugehen. Das Antisemitenblatt schrieb: „In einer Mündelangelegenheit hat Justizrat Cassel es erzielt, daß Redakteur Böckler wegen Beleidigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ja, er erreichte noch mehr: der betreffende Redakteur wurde, entgegen den Bestimmungen des Völkerrechts, von der österreichischen Regierung an Deutschland behufs Verbüßung der Strafe ausgeliefert. Gegen einen Antisemiten werden nämlich solche Auslieferungsverträge im Auslande anders gehandhabt, als gegen Juden. Ein Antisemit, der einen Gegner beleidigt hat, bekommt 6 Monate und wird ausgeliefert; ein Jude aber, der einen Mord begangen hat, wird nicht ausgeliesert; denn er ist ja ein Jude, er steht über dem Gesetz." Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Mit Beiträgen von Wilhelm Bacher, M. Braun, Ulrich Frank, I. Guttmann, Gustav Karpeles, M. Levin, Martin Philippson. Sechster Band. Berlin. M. Poppelauer. 1903. 242 u. 58 S. 8°. Der neue Band des Jahrbuchs für jüdische Geschichte und Literatur, der sechste, enthält gleich feinen Vorgängern eine Anzahl nützlicher und interessanter Aufsätze. Mit bewährter Meisterhand giebt wieder Professor Dr. Martin Philippson einen Rückblick über

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