Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- L. L., Leipzig
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 451 (sequence 1)
- Language
- German
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Bnefkasren Der Revaktion. 451 L. L., Leipzig. Wir haben bereits im Maiheft Herrn Z. L., Berlin den Bescheid erteilt, daß der wegen falscher Anzeige verurteilte Schuhwarenhändler Josef Rosenblatt in Paderborn Katholik ist, niemals Jude war, auch nicht von Juden abstammt. Diese in Paderborn genau bekannte Tatsache hindert die Herren Liebermann von Sonuenberg und Karl Sedlatzek nicht, in ihren Organen den neuerdings auch wegen unlauteren Wettbewerbs bestraften Schuhwarenhändler zum Juden zu machen. „Wie Israel Geschäfte macht" überschrieben die „Deutsch-Sozialen Blätter" die betreffende Notiz, und der Katholik Karl Sedlatzek ahmt dies nach, trotzdem ihm sehr genau bekannt ist, Daß der Vorname Jo>es. bei seinen Paderborner Glaubensgenossen besonders häufig vorkommt. Wegen „dieses unlauteren Wettbewerbs" in der künstlichen Verjudung nichtjüdischer Delikte könnten vielleicht Liebermann und Sedlatzek von den Herrn Bruhn und Hans v. Mosch auch gerichtlich belangt werden. M. K., München. Wir hatten die Notiz bereits im „General- Anzeiger" Sedlatzeks gelesen, der sich beeilte, die alte Ritualmord-Legende von Rinn dem „Vaterland" nachzudrucken. Die Notiz lautet wörtlich: „Vor mir liegen die Acta pro veritat e martyrii corporis et cultus publici C Andreae Rinnensis pueruli anno MCCCCLXIL die 12. Julia a Judaeis in odium Mei occisi, collecta. variis notis illustrata et proposita ab Adriano Kembter. candidi et exempti Ord. Praemonstrat. in ecclesia .... cum permissu superiorum Oeniponti anno MDCGXLV. Tvpis Mich Wagner, Aulae Reg. et Uniyers. Typogr. et Bibi. Es' handelt sich in diesen Akten um den jüdischen Ritualmord, verübt an dem Knaben Andreas von Rinn bei Hall in Tirol. Die Lektüre dieser acta ist hochinteressant und empfehlen wir dieselbe besonders dem Pfarrer Frank. Der Knabe ist nämlich als Märtyrer selig gesprochen worden und jetzt noch ist der Judenstein, nämlich der Stein, auf dem der Knabe gemordet wurde, der Zielpunkt frommer Wallfahrer. Ueber denselben ist jetzt eine Kirche gebaut und darf der Knabe dort als Seliger verehrt werden. Ein Ritualmord von fanatischen'Juden begangen, ist hier zweifellos nachgewiesen, und die Ritenkongregation, das ist uns die Hauptsache, hat ihn anerkannt, und den kleinen Andreas unter die Zahl der Märtyrer versetzt. Was sagen die Juden dazu?" — Sie sagen, daß diese Geschichte, die sich im Jahre 1462 in Tyrol ereignet haben soll, erst am Anfang des 17. Jahrhunderts von einem Haller Arzt Hippolyt Guarinoni schriftlich bekundet worden ist, der unter dem aus dem Jahre 1575 stammenden Marmorputz der Kanzel der Rinn-Kirche Stücke einer älteren Inschrift gesunden zu haben behauptete, in der Juden des Mordes, aber nicht der Blutabzapfung