Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- C. A., Posen
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 450 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316708-2331663--11272-2331788- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
450 Im deutschen Reich. Diese beiden Dokumente, die uns ein glückliches Ungefähr auf den Schreibtisch wehte, sind ein wichtiger, unbezahlbarer Beitrag zur Charakterisierung des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes und feiner Leitung." — Diese Briefe sind mehr; sie sind ein herrlicher Beweis für die „deutsche Treue" dieser „Deutsch-nationalen Männer! A. K., Posen. lieber den betreffenden Vorfall ging uns folgende Mitteilung zu: „Bei der am 14. Juni in Pudewitz stattgehabten Vorbesprechung der deutschen Wähler wurde die Beteiligung der Juden unverkennbar gern gesehen. An demselben Nachmittag aber fand im königlichen Walde eine festliche Veranstaltung statt, bei welcher Herr v. S. aus Kostschin unter antisemitischen Schimpfereien auf einen jungen Mann losstürzte, der feiner Meinung nach bei einem Hoch auf Se. Majestät die Kopfbedeckung nicht abgenommen hatte. Der junge Mann, der auch noch von einem Chaussee-Aufseher Mißhandlungen erlitt, gab darauf dem wachhabenden Gendarmen seine Personalien an und erklärte, daß er verkannt worden sein müsse, da er als in Dominowo bei Wreschen angestellter evangelischer Lehrer wohl wisse, wie man sich bei einem Hoch auf Se. Majestät zu verhalten habe. Nachdem dies von Kollegen des jungen Mannes bestätigt worden war, nahm sich seiner auch der Königliche Kreisschulinspektor in Pudewitz an, und auch die anwesenden Agrarier sprachen sich entrüstet über den Vorgang aus nachdem sie erfahren hatten, daß der unschuldig mißhandelte Lehrer kein Jude war." S. I., Hamburg. Unter der Ueberschrift „Gefährliche Geschäftsverbindung" besprach kürzlich die „Staatsbürger-Ztg." das angebliche Vorkommnis, daß eine Hamburger Firma H. Friedländer einen Postbeamten veranlaßt habe, für ihre Rechnung Kaffee an seine Kollegen zu vertreiben, daß dann der Beamte um feiner Verbindlichkeit gegen die genannte Firma ledig zu werden, die ihm anvertraute Kaffe angegriffen und nicht nur seine sichere Stellung verloren, sondern auch noch gerichtliche Bestrafung zu erwarten habe. Dazu bemerkte das Antisemitenblatt: „Wir möchten diese Warnung nicht nur auf den H. Friedländer, sondern auch auf andere Friedländers, Cohns und Cohnforten ausdehnen, eingedenk des Wortes: „Qui mauge du juif, en meurt!" — Ernsthaft kann diese Warnung kaum gemeint fein, denn der Redakteur der „Staatobürger-Zettung" Ludwig Werner hat bekanntlich eine „gefährkche Geschäftsverbindung" mit dem jüdischen Journalisten Hamburger nicht gescheut und Herrn Wilhelm Bruhn bekommt die Jnseratenbezahlung der „jüdischen" Firma Baer Sohn mindestens so gut wie die eines bekannten „christlichen" Konfektionsgeschäftes. II mauge du juif saus mourir et sans rougir!