Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- E. C., Berlin
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 446 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Im deutschen Reich. E. C., Berlin. Die Ihnen und vielen anderen hiesigen Vereins- Mitgliedern zugegangenen Nummern 1 und 2 der seltsamerweise denselben Text enthaltenden neuen Wochenschrift tragen zwar den Titel „Toleranz", aber sowohl die weitere bei den „judenfeindlichen Alldeutschen" beliebte Bezeichnung „deutsch-völkische", als aucb der Inhalt der Zeitschrift werden hoffentlich jeden überzeugen, daß sie nicht für „Juden und Christen", sondern nur für „Antisemiten" sich eignet. Der Versuch, ein solches Blatt unter dem Namen „Toleranz" in die Oeffentlichkeit zu bringen, ist eine Bauernfängerei, auf welche nur solche hineinfallen können — welche die größten Kartoffeln haben! A. R., Berlin. Die „Israelitische Wochenschrift" berichtet: „Der Antisemit Kirchner in Hausen, in seinem bürgerlichen Beruf katholischer Pfarrer, wird vom Schweinfurter Gericht wegen betrügerischen Bankerotts und ähnlicher Delikte steckbrieflich verfolgt. Als die „Neue Bayerische Landeszeitung" vor drei Jahren die Fleischbesudelungslüge verbreitete, ist Kirchner als Pfarrer von Pfarrweisach bei der Gerichtsverhandlung gegen den Redakteur Memminger dessen stärkster Entlastungszeuge gewesen, der unter Eid eine ganze Anzahl angeblicher Fleischbesudelungen erzählte." O. S., Berlin. Veranlaßt durch einen uns aus Karlsbad mitgeteilten Wunsch, berichten wir Ihnen, daß der Besitzer des Caf^ Schweizerhof, Herr Franz Tschamerhöll, in der letzten Zeit sich nicht mehr als Antisemit betätigt hat. S. W., Schöneberg, G., Nürnberg rc. Wir teilen Ihnen mit, daß bezüglich der Aufnahme des fränkischen Badeortes Brückenau in die Liste der antisemitischen Badeorte ein Irrtum vorzuliegen scheint, und daß wir noch weitere Berichte erwarten. S. H., Schöneberg-Verlin. Für die bewirkte Entfernung der Waggon - Fenster - Inschrift „Kauft nicht bei Juden" sind wir Ihnen dankbar. Hoffentlich folgen unsere Leser in ähnlichen Fällen Ihrem Beispiele und geben von derartigem Unfuge der Bahnbehörde durch Eintragung ins Beschwerdebuch stets sofort Kenntnis. A. K., Magdeburg. Die betreffende Notiz der dortigen antisemitischen „Sachsenschau" lautete wörtlich: „Fünf MarkMonatslohn für einen Handlungsgehilfen! Unlängst wurde ein Angestellter der Firma M. Kahn in Wetzlar wegen Unterschlagung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte 1000 Mk., die ihm zur Beförderung nach der Bank übergeben waren, veruntreut.