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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 445

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
C. R., Berlin
Date
1903-06-01
Page
445 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 445 der Londoner City, in christlichen wie in jüdischen, hervorgerufen haben. Hätten ähnliche interkonfessionelle Kundgebungen wie in England und Amerika gegen die russischen Ausschreitungen auch in Deutschland stattgefunden, so wären deutsche Bürgermeister gewiß ebenfalls jener Feier ferngeblieben. P. W., Berlin. Vor der öffentlichen Wahlversammlung, die bei Keller, Köpenicker Straße 96/97 am 18. Mai veranstaltet wurde, um dem antisemitischen Rechtsanwalt vr. Willy Hahn Gelegenheit zu geben, sich dem 3. Berliner Wahlkreise als Kandidaten für den Reichstag vorzustellen, ist von dem Wahlausschuß ein von der „ Staatsbürger-Ztg." Ges. m. b. H., gedrucktes und verlegtes Flugblatt verbreitet worden, in dem Folgendes gesagt wurde: „Ob Judentum und Sozialdemokratie oder der schwer um seine Existenz ringende Mittelstand, die Hauptstütze des Staats, in der Reichshauptstadt vorherrschen soll? Jeder einsichtsvolle Wähler, jeder nationale Mann, der sein Vaterland lieb hat, wird zweifellos nur das Letztere wünschen. Wir wollen, daß Berufstreue, Tüchtigkeit und nicht der größere Geldbeutel über den Erfolg des Einzelnen entscheide. Darum nieder mit dem Judentum!" — Die Anstifter der Mordtaten in Kijchinew haben in ganz ähnlicher Weise an die schlimmsten Instinkte der Massen appelliert und auch Losung ausgegeben: „Nieder mit dem Judentum!" — Es ist gewiß nicht das Verdienst unserer Antisemiten, wenn ihre Aufreizungen nicht gleiches Unheil anrichten! R. ®., Berlin. Der Antisemiten-Moniteur berichtet wörtlich: „Sittlichkeitsverbrechen an kleineren Mädchen sind nun schon an der Tagesordnung. Gestern wurde wieder ein Kutscher Poenicke aus der Bergstraße verhaftet." Herr Poenicke war kein Jude; ein bekannter Schuhmacher-Obermeister, der sich ähnliches zu Schulden kommen ließ, stand einst sogar der „Staarsbürger-Ztg." sehr nahe, und alle in neuester Zeit bekannt gewordenen sogenannten „Sternbergereien" widersprechen der Behauptung des „teuren Gottesmannes," daß solche Verbrechen von seinen Glaubensgenossen nicht begangen werden könnten. Sollte tatsächlich der Tropfen jüdischen Blutes in dem als Christ geborenen und erzogenen Herrn Sternberg infolge seiner Abstammung nachgewirkt haben, so dürfte sich doch sicher bei seinen Nachahmern wie z. B. dem Kutscher Poenicke, dem Lumpensammler Christian Scharf, dem Arbeiter Krüger u. a. m. auch nicht auf mikrokospischem Wege ein semitisches Blutkörperchen finden lassen!

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