Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 440 (sequence 7)
- Language
- German
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440 Im Deutschen Reich. untergraben, mit dürren Worten Gewalttätigkeit predigen und friedlichen, ehrlichen Bürgern die Ehre abzuschneiden suchen. Die „Schmach des Jahrhunderts", wie Kaiser Friedrich den Antisemitismus genannt hat, muß getilgt werden. Der deutsche Name darf nicht durch wüste, unseres Jahrhunderts unwürdige Hetzereien befleckt werden! Gleiche Rechte, gleiche Pflichten! Das sei die Losung! Wer will, daß deutsche Ehre und deutsches Recht nicht an getastet werden, daß der Friede in der Bevölkerung erhalten bleibe, der gebe keinem Antisemiten die Stimme am Wahltage! Centralvereiu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Wir haben nur unsere Pflicht getan und erwartet, daß bei der diesmaligen Reichstagswahl alle Wohlgesinnten, alle Freunde des friedlichen Zusammenlebens der Angehörigen der verschiedenen religiösen Bekenntnisse in Deutschland, ihre Pflicht tun würden. Der Haß, den die Finsterlinge gegen jeden Streiter für Recht und Licht hegen, fch.reckt uns nicht; ihre Schimpferei rechnen wir uns zur Ehre. Wenn sie vom „Denunzianten-Verein" schreiben, mahnt dies uns nur an die Worte in Rückerts „Geharnischten Sonetten": „Mit Glutbuchstaben einschreib' ich mein' und meines Volkes Schande, das seiner Schmach gar nicht darf denken wollen!" Wir aber beschäftigen uns beständig mit der vom Kaiser Friedrich gebrandmarkten antisemitischen „Schmach des Jahrhunderts" und hoffen, daß die Glutbuchstaben des „Neue bald zu ihrer Tilgung beitragen werden. Deshalb schreibt, für ihre Existenz bangend, in ihrer Wut die Staatsbürger-Ztg.: „Die für Deutschland gefährlichste Rolle spielt der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der mit Recht Denunziantenverein genannt wird, weil er in allen Teilen des Reiches Bureaus unterhält, die die Ausgabe haben, jeden zu denunzieren, der irgendwie den Juden etwas Unangenehmes sagt. Dieser Verein darf bereits auf eine so große Zahl von Erfolgen zurückblicken, daß es immer mehr den Anschein gewinnt, als -seien die Juden Staatsbürger erster, die Christen Staatsbürger zweiter Klaffe; als seien nach jüdischer Ansicht die Behörden nicht der Deutschen, sondern der Juden wegen da." Daß dies eine lächerliche Uebertreibung, bezw. eine unsinnige Beleidigung der Behörden und eine grenzenlose Unterschätzung der