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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 435

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-06-01
Page
435 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Bereinsnachrichten. 435 schimpfung der großen christlichen Mehrheit ist es, wenn man ihre Angehörigen als Zinssklaven einer kleinen meist wenigbegüterten jüdischen Minderheit darstellt, wenn man letztere verantwortlich macht für eine Staatsschuldenlast, welche nur durch die Notwendigkeit starken Schutzes gegen äußere Feinde gehäuft wurde. Widersinnig ist es, den Juden vorzuwerfen, daß sie nur in geringer Zahl sich in Handwerk und der Landwirtschaft betätigen, da sie die größten Schwierigkeiten zu überwinden haben, um in diesen, ihnen früher ganz verschlossenen und jetzt von ihnen gern bevorzugten Berufen sich betätigen zu könnnen. Es widerspricht den tatsächlichen Verhältnissen vollständig, die Juden für die etwaigen Nachteile verantwortlich zu machen, welche durch den durch die Fortschritte der Technik begünstigten Großbetrieb und die Warenhäuser dem kleinen Geschäftsmann zugefügt werden, während gerade durch den neuzeitlichen Wandel des Geschäftsbetriebs der kleine jüdische Geschäftsmann schwer betroffen wird. Fast noch perfider ist es, die jetzt sich in der bürgerlichen Freiheit als pflichtgetreue, echte Deutsche fühlenden und bewährten jüdischen Mitbürger mit dem Maßstabe zu messen, den selbst einzelne hervorragende Männer in früheren dunklen Jahrhunderten bei Beurteilung der damals in geistiger und körperlicher Knechtschaft befindlichen Juden angelegt haben. Daß diese Juden in den traurigsten Verhältnissen nicht tiefer gesunken sind, zeugt hinreichend von ihrem sittlichen Werte; wir aber wollen anders beurteilt sein, weil wir trotz aller uns wider Verfassung und Gesetz zugefügten Beschränkungen uns frei fühlen, weil wir aus allen Kulturgebieten mit den anderen deutschen Bürgern schaffen und wirken, unser Vaterland lieben, und es in uneigennütziger, selbstloser Hingebung zu fördern suchen, so weit unsere Kraft reicht. Dazu gehört aber auch, daß wir unser Vaterland zu schützen suchen vor Verdummung und mittelalterlicher Rohheit, vor Preisgebung mühsam errungener bürgerlicher Freiheit, vor Rassen- und Klassenhaß, vor allem aber vor den Ränken berufsmäßiger Volksaufwiegler, die unter trügerischer loyaler Maske auf den Umsturz der jetzigen staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung hinarbeiten, um sich und ihre Kreaturen emporzubringen und zu bereichern. Gegen diese verkappten Anarchisten zu kämpfen, ist die vornehmste Pflicht aller wohlgesinnten Bürger, besonders der deutschen Juden, deren Gleichberechtigung nicht ohne Grund von den Antisemiten als das zuerst zu erstürmende und zu zerstörende Bollwerk des verfassungsmäßig regierenden Rechtsstaates angesehen wird. Das ist der Platz, wo wir unverzagt Abwehr zu üben haben, wo wir mit makellosen Waffen und blankem Ehrenschild in die Bresche treten müssen, wenn Deutschland von Ränkeschmieden

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