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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 429

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
Konitz
Date
1903-06-01
Page
429 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen- 429 ihrem Bericht über diese Denkmals-Aufstellung von dem „ermordeten" Winter spricht, sagt sie etwas, was auch keine Geltung mehr hat, denn nach dem Urteil aller Unbefangenen ist Winter nicht das Opfer eines Mordes, sondern eines Totschlags im Affekt geworden, und „ruchlos" ist nur, daß der Totschläger sich nicht zu seiner unglückseligen Tat offen bekannte und damit den Geschäftsantisemiten die Möglichkeit gewährt, das traurige Ereignis länger als drei Jahre „mit ruchlosen Händen auszuschlachten." Daß den jungfräulichen Stifterinnen des Denkmals nachträglich die amtlichen Gutachten über den Leichenbefund Winters vollständig bekannt wurden, ist wohl nicht anzunehmen. Die „Ostd. Tagesztg." berichtet: „Herr Jsedor Caspari aus Bütow, der unter den Verfolgungen gewisser Antisemiten ganz besonders zu leiden gehabt hat, war auf Grund einer Denunziation des Bruschkeschen Ehepaars in Kolberg wegen Meineides in Anklagezustand versetzt worden und hatte sich am 25. Mai in Köslin zu verantworten. Die Aussagen der Entlastungszeugen und die Verteidigung durch Herrn Rechtsanwalt Heidemann in Cöslin veranlaßten den Staatsanwalt, selbst die Freisprechung zu beantragen. Nach Vernehmung von zwei Zeugen wurde die Verhandlung geschlossen und Herr Caspari freigesprochen. Das Denunziantenpaar wurde vom Gericht als „ganz unglaubwürdig bezeichnet.^ Zempelburg, 15. Juni. Inder hier in Fischers Hotel unter' dem Vorsitze des Herrn Amtsrichters Schubarth abgehaltenen Versammlung kennzeichnete Herr Justizrat Wagner die in dem antisemitischen Flugblatte und in der hier abgehaltenen Antisemiten- Versammlung ausgesprochenen Behauptungen als völlig unwahr und erklärte dann wörtlich: „Wenn ich die Reden und Taten der Antisemiten betrachte, muß ich mir sagen, daß meine Bibel mit der der Antisemiten in den wesentlichsten Punkten nicht übereinstimmt; denn in meiner Bibel steht geschrieben: „Liebe deinen Nächsten" und: „Liebe deine Feinde." In Böcklers Bibel steht wahrscheinlich: „Liebe deinen Nächsten und hasse die Juden! —" Haß kann nichts Vernünftiges aufbauen, sondern nur zerstören. Das wahre Christentum soll keine Religion des Hasses, sondern eine Religion der Liebe sein; wer als Christ sich zur Verfolgung Andersgläubiger hergibt, der versündigt sich gegen Gottes Gebote. Und nun zu unserm Deutschtum. Meine Herren! Das Deutschtum ist nicht davon ab-, hängig, daß man die Juden haßt! Wer mir, der ich das nicht tue, den deutschen Charakter absprechen will, wer behauptet, daß ich. das

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