Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- Die berufliche Gliederung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Deutschlands
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 401 (sequence 7)
- Language
- German
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Die berufliche Gliederung rc. 401 wichtige und wissenswerthe Zahlen verheimlicht. Z. B. finden sich in einer Kategorie (E, XXIV, 2) Zusammen: Hofstaat, Diplomatie und Aufsichrspersonal in Wohltätigkeitsanstalten. Hier kann man wohl ohne weiteres behaupten, daß sich in ersten beiden Berufen kein einziger, in letzterem dagegen eine ganze Anzahl Juden befinden. Ein anderes Beispiel ist der „Beruf" Armee und Kriegsflotte. Um hier einen Vergleich zwischen Juden und Christen zu ziehen, müßte man natürlich erst alle Offiziere, Unteroffiziere, Verwaltungsbeamte und Militärärzte abrechnen. Es würde nun noch übrig bleiben, einzelne „überraschende" und „interessante" Zahlen zu erläutern. Doch würde dies zu weit führen. Die Zahlen sprechen alle für sich selbst, daher genügt es, an die Aufmerksamkeit des Lesers zu appellieren. Durch die Beispiele sollte nur gezeigt werden, mit welcher Vorsicht die Statistik zu benutzen ist. — Jedenfalls haben wir gesehen, daß die Juden in sammtlichen Berufsgruppen vertreten find, zum Theil allerdings sehr unverhältnismäßig — nach b-eiden Richtungen hin» Diese Tatsache ist, wie wir bereits bei Beginn unserer Ausführungen betont haben, eine der vielen Ursachen, welche die antisemitische Bewegung hervorgerufen oder gefördert haben. Daher ist es ein wichtiges Postulat jener Politck, welche auf Bekämpfung und Beseitigung des Antisemitismus gerichtet ist, diese Gegensätze nach Möglichkeit auszugleichen. Ein solcher Ausgleich kann natürlich nur dadurch geschaffen werden, daß die Juden — mehr als bisher — denjenigen Berufen Zugeführt werden, denen sie sich augenblicklich nur in geringem Maße widmen. Die Tatsache jedoch, daß die Juden in gleichem Maße wie ihre Mitbürger an fast jeder Berufsarbeit teilnehmen, ist durch die Statistik erwiesen und wird durch keine antisemitische Lüge umgestoßen werden. Daher treffen auch heute die Worte zu, mit denen ein christlicher Theologe x) den Fleiß unserer Vorfahren in Palästina preist: „Untätige Weltscheu und müßige Kontemplation sind dem israelitischen Geiste fremd. Ueberall im Alten Testament wird der Fleiß gepriesen und die Notwendigkeit der Arbeit hervorgehoben. Schon der erste Mensch lebte nach der israelitischen Urgeschichte nicht im Paradiese, um zu genießen, sondern um zu arbeiten." J) Buhl, Die sozialen Verhältnisse der Israeliten (Berlin 1899).