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Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 376

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
Israel am Scheidewege [Rezension]
Date
1903-05-01
Page
376 (sequence 1)
Language
German
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376 Im deutschen Reich Kücherscha«. Israel am Scheidewege. Zürich, Verlag von Caesar Schmidt, 1903. Der anonyme Verfasser will mit dieser Schrift die Zionisten von ihren Irrwegen aus den rechten Weg Zurückführen und uns zeigen, wie wir die Scheidewände einreißen können, die uns von den Völkern, unter denen wir wohnen, trennen. Ich fürchte, er denkt sich die Sache doch Zu einfach, wenn er meint: „Israel muß die entscheidende Wahl Zwischen der Prophetenmoral und der TalmudorLhodoxie treffen; das Judentum muß sich von letzterem lossagen und die von seinen Propheten gepredigten Grundsätze der Ethik als Inhalt seines religiösen Kultus erklären." — Von dem Inhalt des Talmuds scheint Verfasser eine sehr unklare und unrichtige Vorstellung zu haben; wir brauchen durchaus nicht „uns vom Talmud loszusagen", wie Verfasser will, um „die hohe Ethik unserer Seher als unfern Glaubenskanon anzuerkennen". Die Ethik des Talmuds steht mit der der Propheten durchaus nicht in Widerspruch, und wenn auch die Propheten „alle äußeren religiösen Zeremonien als überflüssig und Gott nicht wohlgefällig" erklärt haben, wird doch jede religiöse Gemeinschaft, wie jede andere, immer bestimmter Formen und Bräuche bedürfen; blos moralische Grundsätze können nicht den Inhalt des religiösen Kultus ausmachen. Daß die Erfüllung der Sittengesetze und nicht die Ausübung der Zeremonien die Hauptsache ist, haben nicht nur die Propheten, sondern die Weisen aller Zeiten in Israel gelehrt. Auch sonst scheint dem Verfasser oft das richtige Verständnis für die geschichtliche Entwickelung der Dinge zu fehlen. Die „Asfimilierung", die er von der Befolgung seiner Ratschläge erwartet, wird vollends die Zionisten nicht locken; denn Assimilierung ist gerade das, was sie nicht wollen! — J. 8. Berlin, Mai 1903.

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