Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- C. H., Stettin
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 374 (sequence 2)
- Language
- German
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374 vhn deutschen Reich Adlerordens ausgezeichnet hat, ist ein gesetzestreuer Jude, eine Tatsache, welche unserem Kaiser genau bekannt ist. In der preußischen Armee kann es ein Jude höchstens zum Unteroffizier bringen! A. R., Posen. Der Magistrat von Stendal hat das kürzlich erlassene Schächtverbot wieder zurückgenommen. X. U., Allenstein. Der Dreschgraf macht Schule. Graf E. v. Rittberg-Kroplainen, der Kreisvorsitzende des Bundes der Landwirte für den Wahlkreis Allenstein-Rösfel, hatte es mit dem Centrum, dem er zwar seine und des Bundes Stimmen bei der Reichstagswahl gnädigst in Aussicht stellte, verdorben. Er nannte eine Aeußerung eines katholischen Pfarrers Kühner in Mehlack „unverschämt" und erlaubte sich noch andere nicht gerade liebenswürdige Anzapfungen. Das bekam dem Edlen von Kroplainen aber schlecht. Er mußte vom „Jargon des Pserdestalles", „aufgeblähten Maifröjchen" hören; „Nicht den Mund so voll genommen. Ihr ritterlicher Junker. Eure Macht steht in keinem Verhältnis zu Eurer Arroganz." Der Herr Graf gedachte alles wieder gut zu machen, nahm in einem Inserat etliche seiner Beleidigungen zurück und versprach nun mit fettem Druck „gegen Umsturz und Juden" zu kämpfen. Dazu bemerkt das „Aüensteiner Tageblatt": „Jetzt will er nach berühmtem Muster auch auf die Juden los gehen! — Weshalb? Der Herr Graf verschmäht doch kein Geschäftche mit den Juden!? Oder ist ihm da etwas in die Quere gegangen??" — Ei, ei, Herr Graf, das läßt tief blicken!" I. S., Hamburg. Das dortige antisemitische „Deutsche Blatt" gibt in fast jeder Nummer seinen antimonarchischen Empfindungen unverblümt Ausdruck. Wie gefällt Ihnen z. B. die Notiz vom 18. April: „Der Kaiser hat sich, wie das Berl. Tagebl. behauptet, sämtliche in deutschen Zeitungen veröffentlichten Aprilscherze sammeln lassen. Sollte ihm eine Sammlung und Durchsicht aller deutschen Preßstimmen über seine Politik nicht mindestens ebenso nützlich sein?" O. K., Dresden. Der Zusammenbruch der Pommerschen Hypotheken-Aktienbank beschäftigt die 7. Strafkammer des Berliner Landgerichts I seit dem 1. Mai. Wenn der angeklagte Kommerzienrat Johann Wilhelm Schultz und der Mitangeklagte Bankdirektor Karl Friedrich Romeick Juden wären, dann wäre dieser Prozeß ein fetter Bissen für die antisemitische Presse. Sämtliche Tochtergesellschaften der Pommernbank waren in dem