Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- O. B., Charlottenburg
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 373 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten Der Redaktion. 873 Wahrnehmungen in der Rotheschen Sitzung gibt er die Erklärung ab: „Man sollte deshalb das Wort „Spiritismus" überhaupt aufgeben und an seiner Stelle von Okkultismus reden. Denn daß hier verborgene Kräfte im Spiele sind, die wir noch nicht ergründet haben, leidet keinen Zweifel." — Auf diesem Gebiete ist Herr Stöcker sicher kompetent, „die er rief die Geister, wird er nicht mehr los" und daß auch bei dem Antisemitismus überall „verborgene Kräfte im Spiele sind, die wir noch nicht ergründet haben", leidet (leider!) keinen Zweifel! S. K., Magdeburg. Wenn die „Deutsche Tageszeitung" den Restaurateur und Petroleumhändler Albert Moritz, der mit Hinterlassung von 80 000 Mk. Schulden aus Spandau flüchtete, als „jüdischen" Kaufmann bezeichnete, so ist dies — wie uns aus Spandau berichtet wird — vollständig unrichtig. Albert Moritz und seine ebenfalls verschwundene Gattin Mathilde, geb. Heintz, sind weder Juden noch jüdischer Abstammung. Die Lorbeeren Wilhelm Bruhns haben jedenfalls Herrn Dr. Oertel den Schlaf geraubt; er macht ihm deshalb das Kunststück nach, jeden, der sich mißliebig macht, in einen Juden zu verwandeln. Als er noch Gymnasiallehrer in Leipzig war und für die „Leipziger Zeitung" loyale Gedichte und schwärmerische Reisebeschreibungen schrieb, war Dr. Oertel doch noch nicht so erfindungsarm. Da sieht man, wie der Antisemitismus geistig herunterbringt! V., Neisse. Freundlichen Dank für die Uebersendung der „Reisser Ztg." vom 24. April. Von der Preßfehde zwischen der „Breslauer Ztg." und dem Reisser Zentrumsorgan interessiert uns nur, daß auch diese Polemik den alten Erfahrungssatz bestätigt, daß man von allen Seiten bei jedem Streit glaubt, den Juden eins versetzen zu dürfen. Wenn das Reisser Blatt schreibt: „Wir empfehlen diese neueste Leistung des Breslauer jüdischen Blattes dem, „Vereine der Staatsbürger jüdischen Glaubens zur geneigten Beachtung", so erwidern wir, daß uns die von „christlichen" Schriftsteüern redigierte „Breslauer Ztg." nicht als „jüdisches Blatt", sondern wegen ihrer politischen Haltung und sonstigen Qualitäten, sehr beachtlich erscheint, der Streit aber, ob der Satz „Der Zweck heiligt die Mittel" Jesuitenmoral ist oder nicht, uns nichts angeht. C. H., Stettin. Der italienische Kriegsminister General Ottolenghi, den der deutsche Kaiser während seines letzten Aufenthaltes in Rom durch Verleihung des Großkreuzes des Roten