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Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 359

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
Harburg
Date
1903-05-01
Page
359 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 359 und suchte nachzuweisen, daß von dieser beide nichts zu erwarten hätten. Er sagte dabei aber auch: „Der Gründer der Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle, war kein Deutscher, sondern ein Jude; sowie er einer internationalen Volksgemeinschaft angehörte, ist auch die deutsche Sozialdemokratie international und vaterlandslos." I)r. Regula, der im Namen des Vorstandes des Wirtschaftlichen Schutzverbandes sich an der Debatte beteiligte, ließ die antisemitische Ansprache des Vorredners zunächst unbeachtet, kam aber auf dieselbe in einer späteren Versammlung des „Wirtschaftlichen Schutzverbandes" Zurück, um zu erklären, daß der Verband keineswegs in ein antisemitisches Fahrwasser geraten sei. Es habe sich lediglich um rein persönliche Ansichten des Herrn Reinhardt gehandelt, welche der Vorstand des W. Sch. selbstverständlich nicht billige und nicht vertrete. Wie die „Harburger Anzeigen und Nachrichten" berichteten, bat er ausdrücklich „die mosaischen Mitbürger, sich nicht beirren zu lassen in der Mitarbeit an den Ausgaben des Wirtschaftlichen Schutzverbandes, der dazu die Mitglieder aller bürgerlichen Parteien und aller Konfessionen ohne Unterschied einlade und zusammenfasse." Dies beschwichtigte die Mitglieder der hiesigen Synagogen- Gemeinde, welche es mit Recht sehr übel vermerkt hatten, daß es einem auswärtigen Redner in jener ersten Versammlung ermöglicht worden war, ihnen öffentlich ihr Deutschtum und ihre vaterländische Gesinnung abzusprechen und damit in Harburg, wo bisher unter den Bürgern verschiedener Bekenntnisse freundliches Einverständnis gewaltet hat, den Samen der Zwietracht zu säen. ch Saarbrücken, 1. Mai. Im Garten des Glashüttenarbeiters Gredinger zu Querscheid bei Saarbrücken war am 31. März die Leiche der seit einigen Tagen vermißten 10 jährigen Bergmannstochter Gertrud Lehnhoff entsetzlich verstümmelt aufgefunden worden. Das „Bayr. Vaterland" ließ sich darauf aus St. Johann berichten: „Der Körper war blutleer und weiß wie Marmor. Zu beiden Seiten des Halses sah man tiefe kunstgerechte Einschnitte, die linke Hand war vom Gelenk ebenso sachgemäß abgetrennt und lag etwa 6—8 m von der Leiche entfernt, ebenso das ganz glatt abaeschnittene linke Ohr." Damit hatte das „Bayrische Vaterland" den bei der Osterzeit fälligen „Blutmord", der nun einmal das ständige Requisit der antisemitischen Aufreizungs-Maxime bildet. Der Erste Staatsanwalt Heckelsberg aus Saarbrücken hat sich aber davon nicht irre führen lassen, da die ärztliche Untersuchung ein an dem armen Kinde verübtes schweres Sittlichkeitsverbrechen konstatiert hatte,. und die weiteren Ermittelungen keinen Zweifel darüber zuließen, daß das

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