Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Corpsstudenten, Juden und getaufte Juden
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 335 (sequence 2)
- Language
- German
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Warum und wo kolonisiert werden muß. 335 Mein Rat wäre, daß ein Mensch, der etwas auf sich hält, wie die Dinge heute liegen, nicht Corpsstudent werden sollte. Um äußerer Vorteile willen zum Corps zu gehen, habe ich immer für eine Gemeinheit gehalten. Findet er aber ein Corps, bei dem er behandelt wird, wie er es verdient, so werden ihm fremden CorpsstudenLen gegenüber manche unangenehme Auftritte nicht erspart bleiben. Ich halte es überhaupt für ein schlechtes Zeichen, wenn einer feine Herkunft verheimlichen oder verwischen will. Wenn sich einer aus Frömmigkeit taufen läßt, ist nichts dagegen einzuwenden; dann taugt er aber erst recht nicht zum CorpsstudenLen. Mir sind die ungetansten Studenten a priori lieber als die getauften. Mit corpsbrüderiichem Gruße Dein alter Freund x- Warum und wo Kolonisiert Werden muß. Von Bernhard Traubenberg. I. ^M^ährend der Judendebatten der letzten Session des Abgeordneteu- Ä Hauses rief ein antisemitischer Landbote ins Haus hinein: „Die Juden sollen doch Bauern werden." Der Herr Abgeordnete halte diese Forderung sicherlich nicht erhoben, wenn er ein freundliches Echo seiner Worte bei uns erwartet hätte. Er glaubte jedenfalls, daß das Wort „Bauer" in jüdischen Ohren einen unangenehmen Klang auslöse. Er befindet sich in dieser Annahme aber im Irrtum. Die Vorstellung, einen Teil der Juden in Bauern zu verwandeln, ist für uns nicht blos keine furchtbare, drohende, sondern eine sehr sympathische, die niemals volkstümlicher gewesen ist, als gerade jetzt. Wenn auch wir die gleiche Forderung aufstellen wie jener Abgeordnete, so wollen wir uns keineswegs damit des Wohlwollens der Antisemiten versichern, sondern es geschieht unter dem Druck sozialer und hygienischer Notwendigkeit. Nicht also weil, sondern trotzdem die konservativen Antisemiten aus sicher nicht sehr freundlichen Gefühlen die Juden zu Bauern machen mochten, möchte auch ich es als ein erstrebenswertes Ziel hinstellen, einen Teil unserer Glaubensgenossen zur produktiven Bodenarbeit überzusühren, wohl wissend, daß der Jude unter allen Umständen verbrannt wird. Die Misere der Erwerbsverhältnifse unter den Juden erheischt dringend eine Ablenkung von den schon überfüllten Berufsarten. Bei