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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 322

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
R. S., Leipzig
Date
1903-04-01
Page
322 (sequence 2)
Language
German
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322 Im Deutschen Reich den Magyaren verbrochene deutschfeindliche Behandlung der Siebenbürger Sachsens wobei er es als Pflicht der Reichsreaierung bezeichnet den Ungarn auf die Finger zu klopfen. Er verhehlte dabei mcho daß ihm ein solches Experiment besonders der Juden wegen erwünscht sei. welche seiner Meinung nach, getauft oder auch ungetanst, in Trans leithanien eine herrschende Stellung einnehmen sollen. ^Offenbar verübelt es Herr Hasse dem Grafen Bülow, daß er nicht dem antisemitischen Bürgermeister von Wien, Carl Lueger, durch Gewalrmittel das von diesem von Wien nach Budapest verdrängte jüdische Kapital und die in Ungarn reiche Früchte schaffende jüdische Intelligenz zurückholt. Auf den antisemitischen Kern der Ausführungen Hasses ging Graf Bülow in der Reichstagssitzung vom 20. März nicht weiter ein; er begnügte sich unter Hinweis, auf Akten des Fürsten Bismarck den Nachweis zu führen, daß auch der eiserne Kanzler jede Parteinahme der deutschen Reichsregierung zu Gunsten der Deutschen in Ungarn rundweg abgelehnt habe. Damit war freilich nicht den Ungarn „auf die Finger", sondern dem „alldeutschen Chauvinisten" so wirksam auf den Mund geklopft, daß der Abgeordnete Paasche sich zu der Erklärung gedrungen fühlte, Hasse habe nur für sich, aber nicht für die nationalliberale Partei gesprochen. Leopold Schesers frommes Wort: „Dem geschorenen Schaf schickt Gott laue Winde", bewährt sich aber an Ihrem werten Mitbürger, der seine Niederlage im Reichstage wahrscheinlich verschmerzt hat, als ihm am Tage darauf der „Die Magyaren, Graf Bülow und Fürst Bismarck" überschriebene Leitartikel der „Rheinisch-Westfälischen Ztg." zu Gesicht kam, in dem u. a. gesagt wurde: „Die maßvollen Ausführungen des Äbg. Hasse zeugen von einer klaren politischen Einstcht, welche gelten wird, wenn längst schon Graf Bülow nebst seinem Preßregenten Hamann zum alten Eisen geworfen ist." Daß diese „Alldeutschem um kein Haar besser sind als die radikalsten Antisemiten, ging schon aus dem Eingang des Artikels hervor, in welchen völlig im Stile der „Staatsbürger-Ztg." die malitiöse Bemerkung eingeflochten war. „man könne von der italienischen Gattin des aus Dänemark stammenden Grafen Bülow nicht verlangen, daß sie Deutsche über Magyaren stelle." Wer sich nicht dem Terrorismus der Antisemiten fügt, der muß gewärtig sein, daß sie sogar sein Privatleben der boshaftesten Kritik unterziehen. Gegen solche Anwürfe wären „Bismarck- Kürassierstiesel", für welche sich die Antisemiten bekanntlich noch immer begeistern, besonders nötig! — Uebrigens ist die Wiederwahl des Herrn Haffe sehr fraglich. Seine öffentlich ausgesprochene Bitte, im Wahlkampf alle persönlichen Anfeindungen zu vermeiden, der-

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