Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 321

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
J. B., Frankfurt a. M.
Date
1903-04-01
Page
321 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316706--11008-2331434
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

CQ Briefkasten der Redaktion. 321 die große Expedition des Sir John Franklin im Jahre 1848 „durch die gewissenlosen Betrügereien des deutschen Juden Goldner zugrunde gegangen sei und 138 Menschen hauptsächlich durch ihn ihr Leben verloren hätten", weil die von ihm gelieferten Vorräte an irischem Fleisch als völlig verdorben über Bord hatten geworfen er erden muffen, ist nicht der Schimmer eines Beweises erbracht. In dem 1867 im Verlage von Otto Spamer in Leipzig erschienenen, von Dr. Fr. Kiesewetter in 2. Auflage durchgesehenen Buche „Die Franklin- Expedition und ihr Ausgang" wird weder die Konfession Goldners noch irgend etwas von der schlechten Beschaffenheit der von ihm gelieferten Vorräte erwähnt. S. 101 wird berichtet, daß im August 1849 Kapitän Omanney am Kap Riley südwestlich von North-Devon die ersten Spuren der verschollenen Franklin-Expedition gefunden habe, und daß Leutnant de Haven darunter Zinngefäße mit Etiketten von Goldner ermittelte, dem 1844 die Lieferung für die Expedition übertragen worden war. Weder hierbei noch bei den späteren von Mc Clintock gemachten Funden fanden sich in den Goldnerschen Zinnvnchsen verdorbene Reste oder in den gefundenen Papierstücken schriftliche Klagen über schlechte Verproviantierung. Für den unerwartet langen Aufenthalt in der Eiswüste mag sie unzureichend gewesen sein, aber auch dafür liegt kein Beweis vor. Die antisemitische Verleumdung des längst verstorbenen Lieferanten Goldner, der sich gegen dieselbe nicht mehr wehren kann, ist umso schändlicher, als in unserer eit der große Nordpolfahrer Nansen wiederholt öffentlich anerkannt bat, daß die von einem hochherzigen Berliner Juden unentgeltlich gelieferten trefflichen Genußmittel wesentlich dazu beigetragen hätten, seine Expedition die unglaubliche Härte nordischer Winter überdauern zu lassen. R. S., Leipzig. Ein Artikel des Leipziger Reichstagsabgeordneten Ernst Hasse hatte uns im Oktober v. Js. veranlaßt, Ihnen im Briefkasten (S. 593 Heft 10 Jahrgang 1902) unsere Meinung über die im Stile Ahlwardts sich äußernde „alldeutsche" Gelehrsamkeit dieses chauvinistischen Parlamentariers kundzugeben. Seine neueste Leistung im deutschen Reichstage erinnerte eigentlich weniger an Ahlwardt als an Liebermann von Sonnenberg, da er wie dieser in einer langen Rede über die auswärtige Politik offenbar den Eindruck zu machen suchte, daß er selbst besser als Graf Bülow oder irgend-ein Kanzler seit dem dürften Bismarck sich zum Leiter der Reichspolitik eignen würde. Er tadelte nicht nur das Verhalten des neuen deutschen Gesandten in Washington, sondern erging sich in heftigen Klagen über die von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.