Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- G. R., Berlin
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 319 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten Der Redaktion. 319 geführt worden sei. Das Blatt des antisemitischen „Volksbundes" rügt hinzu: „Der Komponist „Max Bruch" heißt in Wirklichkeit Moses Baruch." — Das ist grundfalsch, denn der liebenswürdige Komponist ist das Kind christlicher Eltern und auf den Namen „Max" getauft. L. &, Magdeburg. Die in Leipzig erscheinende „Internationale Fleisckerztg." brachte am 30. März nachstehende Notiz über die Schutzfrage in Finnland: „In Helstngfors hat der Vorsteher der mosaischen Gemeinde Klage darüber erhoben, daß es dort den Juden untersagt worden ist, Tiere nach dem mosaischen Ritual zu schlachten. In der Klage wird hervorgehoben, daß die Juden in keinem Punkte von den Vorschriften ihrer Konfession über die Art, Tiere zu töten, abweichen dürfen, daß das Fleisch die Hauptnahrung des Menschen sei, 'sowie daß ein ähnliches Verbot nirgends in der zivilisierten Welt errstiere." Das Leipziger Blatt bemerkt dazu (doch wohl nur ironisch?): „Somit gehört die Schweiz, das Königreich Sachsen, u. s. w. nicht zur zivilisierten Welt!" O. B., Posen. Wie niedrig der hiesige Antisemiten-Moniteur die Intelligenz seines Leserkreises einschätzt, beweist u. a. die Notiz am 30. März: „Ein sehr bekannter Bankier zu Rennes ist unter Hinterlassung bedeutender Passiven geflüchtet. Wie es heißt, sind besonders Kongregationen an dem Verluste stark beteiligt. Die Telegraphenagentur verschweigt den Namen, man wird nach alter Erfahrung daraus folgern dürfen, daß er Jude ist." — Es liegt doch wahrlich auf der Hand, daß die Kongregationen (!) ihre Kapitalien nicht Juden, sondern nur strenggläubigen Katholiken anvertrauen. Daß der flüchtige Bankier o. E. in Rennes, den die „Staatsbürger-Ztg." selbst als „sehr bekannt" bezeichnete, ein eifriger Katholik ist, mußte sie also voraussetzen, nach alter Erfahrung macht aber das alte ehrliche Blatt — willkürlich jeden zum Juden, der etwas verbrochen hat. Wären die Personalien der Terlinden, Erner, Sauden, Burghalter u. a. zweifelhaften Größen nicht so bekannt gewesen, dann hätte das Blatt Bruhns gewiß jeden einzelnen zum Juden gemacht; zweifellos war es in jedem dieser Fälle schmerzlichst berührt, daß dieses Kunststück unmöglich war. A» C., Stettin. Unter der Ueberschrist: „Verhöhnt sich selber — und weiß nicht wie" berichtete das „Bütower Antisemitenblatt" kürzlich nicht ohne Grund über die „sinnreiche Reklame" eines jüdischen Geschäftsinhabers in Büto w mit den Worten: „So prangt in seinem Schaufenster augenblicklich neben andern