Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Konitz
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 305 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 5UÖ Stiefel Eigentum von Ernst Winter sind, bedarf noch der näheren Feststellung." — Durch diese amtliche Bekanntmachung sind hoffentlich die Versuche der antisemitischen Ausbeuter des traurigen Kriminalfalles vereitelt, die behördlichen Untersuchungen auf eine falsche Fährte zu lenken und die über die Sachlage Ziemlich aufgeklärte Bevölkerung des Konitzer Kreises wieder zu verirren. Am 16. d. Mts. schneb das Bütower Amtsblatt: „In dem Augenblick, in welchem die Nachricht verbreitet wird, eine Zeitung wolle gegen Weichet den Beweis der Wahrheit antreten, findet man die schön aufbewahrten Knochen des unglücklichen Winter in dem Abort der Schule, an welcher der Herr Weiche! Dienst tut! Das wäre ja so ein Bew ei scheu! Es ist das Ganze so ungeheuerlich, und in Könitz herrscht eine so furchtbare Aufregung, (?) daß man dort eine gewaltige neue Volksbewegung befürchtet, wenn nicht bald Aufklärung kommt." — Die Hoffnung, daß Aufklärung nun kommen wird, wirkt auf die Bevölkerung so beruhigend, daß die Feinde der Aufklärung umsonst sich bemühen, Erregung zu erzeugen. . Vor dem Schwurgericht ist hier am 27. v. M. der Oberpostpraktikant Karl Wodtke aus 'Könitz, unter Annahme mildernder Umstände zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wodtke hat reumütig eingestandm, in der Zeit von Oktober 1902 bis zur Entdeckung des Kassendefektes am 25. Februar 1903 3061 Mk. unterschlagen und die zur Kontrolle dienenden Register gefälscht zu haben. Die ,,Ostd. Tageszeitung" berichtete darüber: „Die ursprüngliche Angabe des Angeklagten dem Herrn Oberpostinspektor Weidner gegenüber, daß er seinen „Hang nach dem Wirtshausleben" nicht habe zügeln können, hat sich als nicht stichhaltig erwiesen. Jetzt gibt W. an, daß er zur Zeit des Konitzer Mordes sich an der antisemitischen Bewegung und den Recherchen lebhaft beteiligt und dafür größere Summen verwendet habe, die mit seinen Einkommensverhältnissen nicht im Einklänge standen. Am 15. Juni 1907 legte W. das Examen für den höheren Verwaltungsdienst ab, das er glänzend bestand. Falsche Scham, sich .seinen Anverwandten gegenüber zu eröffnen — die Verwandten haben die unterschlagene Summe sofort gedeckt — hat den begabten Mann auf die falsche Bahn gebracht. Daß auch die antisemitische Bewegung einen Teil der Schuld trägt, geht aus seinem eigenen Geständnis hervor." — Diese Bewegung hat schon viele ins Unglück gebracht. <$> Cöln a. Rh., 10. April. Am 15. v. Mts. ist hier im 70. Lebensjahre der um viele wohltätige Anstalten verdiente Re-.