Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Schneidemühl
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 304 (sequence 2)
- Language
- German
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804 Im deutschen Reich. weguug, wo die Rabbiner Dr. Richter-Filehue, Dr. Rosenthal-Pr. Stargard und Dr. Weil-Konitz am Grabe sprachen, und zuletzt lieh Bankier Herz Berliner als Vorsteher der hiesigen Gemeinde den Empfindungen derselben herzlichen Ansdruck. ± Könitz, 20. April. Die „Ostdeutsche Tageszeitung" hat am i7. d. M. unter der Ueberschrift „Zur Könitz er Mordasfäre" folgendes.veröffentlicht: „Beim Entleeren der Abortgruben der Stadtschule in Konih am 16. d. M. wurden Teile einer männlichen Leiche, das Schienbein eines erwachsenen Menschen, mehrere Knochen u. s. w. entdeckt, die nach dem Befunde jahrelang dort geruht haben müssen. In Könitz herrscht begreifliche Aufregung, da viele bereits annehmen, daß es sich um die noch fehlenden Leichenteile des Gymnasiasten Ernst Winter handelt. Staatsanwaltschaft und-Polizei sind wieder in voller Tätigkeit. Herr Erster Staatsanwalt Schweigger wurde sofort von Herrn Bürgermeister Deditius benachrichtigt. Herr Kreisarzt vr. König, der ebenfalls in Kenntnis gesetzt wurde, war zurzeit gerade in Czersk und kehrte erst mittags Zurück. Die Abortgruben sind, wie noch gemeldet wird, seit 1900 schon mehrere Male geöffnet worden, natürlich läßt sich bei solchen Räumungen nicht vermeiden, daß Rückstände bleiben. Die Knochen fand man dicht an dem Einfluß des Pissoirs. Die Gliedmaßen oder Knochen sind also wohl durch die 25 bis 30 em weite Oeffnung hinabgeworfen worden. Daß es sich um Arm- und Beiuresie handelt, erscheint als sicher. Bemerkt sei noch, daß die Entleerung der Grube zum ersten Male mittelst der städtischen Entleerungs-Maschine vorgenommen wurde. — Der Landrat des Kreises Könitz versandte folgende amtliche Bekanntmachung: „In der Abortgrube der städtischen Schule sind am 16. d. Mts. gefunden worden: die Knochen eines linken Oberarmes und Unterarmes, ein rechter Ober- und Unterschenkel und ein linker Unterschenkel. Die gefundenen Knochen "entsprechen genau denjenigen Leichenteilen des Gymnasiasten Ernst Winter, welche bisher noch gefehlt haben. Es sind nunmehr sämtliche Leichenteile gefunden. An den Knochenteilen fand sich noch etwas in Verwesung übergegangenes Fleisch vor. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Leichenteile spätestens einige Tage nach der Mordtat in die Abortgrube geworfen sind und dort in Verwesung übergingen. Eine bis auf den Grund reichende Leerung der Abortgrube hat jetzt durch die Anwendung der von der Stadtverwaltung in Könitz neu angeschafften Pumpe stattgefunden. Ob die gefundenen