Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- Es geht uns folgendes Schreiben zu
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 252 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316705-2331179--10885-2331272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
252 Im deutschen Reich. um antisemitische Bestrebungen gekümmert habe, noch irgendwelcher antisemitischen Vereinigung angehöre oder je angehört habe. Vor Jahren habe ich mich dazu verleiten lasten, meine Firma einige Male in den „Wegweiser durch Berlins christlichdeutsche Geschäfte" aufnehmen zu lasten. Eine weitere Verbreitung meiner damaligen Annonce ist ohne mein Wissen und Willen geschehen, indem ich niemanden dazu beauftragt habe. Ich bitte Sie daher ergebenst, meine Firma als antisemitisch gesinnt in Ihrer Zeitschrift zu streichen und gütigst davon Kenntnis nehmen zu wollen, daß ich mit der antisemitischen Agitation in keiner Weife in Verbindung stehe, noch je gestanden habe. Gleichzeitig bitte ich um Aufnahme dieses Briefes in den redaktionellen Teil Ihrer Zeitschrift. Hochachtungsvoll ergebenst gez.: A. Kröning. Möbelfabrik, Kochstraße 10. -2K Mcherschnu. Walther von Reichenau, Judentum und Deutschtum. Ueber Len Einfluß der jüdischen aus die deutsche materielle und besonders höhere Kultur. Stuttgart, Süddeutsche Verlagsbuchhandlung (D. Ochs), Inh. Franz Tuch, 1902. 32 S. 8». Wer nur den Titel des vorliegenden Buches liest, könnte vielleicht hoffen, aus seiner Lektüre Belehrung über ein kulturhistorisch sehr wichtiges Thema zu erlangen. Ist doch in der ideellen wie in der materiellen Kultur Deutschlands der Einfluß jüdischer Kulturarbeit höchst bedeutend. Man denke z. B. an die Wirkung der doch lediglich von Juden geschriebenen biblischen Bücher, an die Vermittlerrolle, welche jüdische Gelehrte als UeberseHer der Schifften des Aristoteles im Mittelalter spielten, an den Einfluß, welche hebräische und talmudische Studien auf führende Geister der Renaiffance wie Picus von Mirandola, Reuchlin und Sebastian Münster geübt haben, und an die Benutzung fpinozistischer Gedanken durch Kant und Goethe!