Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- L. L., Schwerin i. M.
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 251 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten Ser Redaktion. 251 schichtswiffenichaft unvereinbar sind und nur kritiklos das wiedergeben, was in den AnLisewitenblätLern als „Wissenschaft" verzapft wird. So soll nach jenem Bericht der Herr Oberkirchenrat von den Juden gesagt haben: „Das jüdische Volk muß ruhelos über den Erdkreis wandern. Den Völkern wird es nicht zum Segen, sondern zum Fluche; es ist „das Element der Dekomposition" (Mommsen). Es hält ruhig fest an seiner Geschichte und an allem, was es von den anderen Völkern unterscheidet. Durch seinen Chriftushaß, durch seine Neigung zur Revolution wird es zu einem Element der Zerstörung der Völker. Und die Reformjuden unserer Tage schüren die Revolution mit ihrer Predigt von dem Messias, dem Volkerbefreier." — Das sind doch lauter dem antisemitischen Arsenale entnommene rostige Waffen! Die deutschen Juden wandern nicht über Len Erdkreis, sondern sind fast ausnahmslos seßhafte gute Staatsbürger mit denselben Rechten und Pflichten wie ihre christlichen Mitbürger. Professor Mommsen hat den von Herrn D. <pctacf im antisemitischen Sinn zitierten Ausspruch in den späteren Auflagen seines Werkes ausgemerzt, weil die Antisemiten jenen aus dem Zusammenhang gerissenen Satz durch eine falsche Auslegung in einem Sinne ausbeuteten, der dem großen Gelehrten im höchsten Grade antipathisch ist. Die Juden halten allerdings an „ihrem Glauben und ihrer Geschichte fest", aber in einer Weise, die der Herr Oberkirchenrat als strenggläubiger Christ für mustergiltig halten müßte; sie halten aber nicht fest an allem, was sie von andern unterscheidet, sondern arbeiten auf allen gemeinnützigen Gebieten, mit ihren andersgläubigen Mitbürgern willig und opferfreudig mit, soweit man sie nicht aus blödem Haß daran hindert. Ein „Christushaß" ist bei den Juden nicht zu finden, weit eher bei den neuzeitlichen „arischen WoLansverehrern," die es dem „Nazarener" nicht vergeben können, daß er „eine jüdische Mutter" hatte. Der Vorwurf „einer jüdischen Neigung zur Revolution" deutet nur auf eine etwas schwache Geschichtskenntnis; aber daß die Reformjuden durch die Predigt von dem „völkerbesreienden Messias" die Revolution schüren, ist in dem Munde eines christlichen Theologen, der doch von seinem Standpunkte aus eine solche Messias-Predigt kaum als revolutionär halten dürfte, mindestens eine sehr befremdliche Behauptung! Es geht uns folgendes Schreiben zu: In Nr. 12 Ihrer Zeitschrift „Im deutschen Reich" 'steht meine Firma als der antisemitischen Partei angehörend verzeichnet und erlaube ich mir. Ihnen diesbezüglich mitzuteilen, daß ich mich niemals