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Im deutschen Reich · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. 250

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
M. L., Duisburg
Date
1903-03-01
Page
250 (sequence 2)
Language
German
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250 Im deutschen Reich. über jene Notiz, die in andere Blätter übergehen und ihm dann bei seinen angesehenen Verwandten in Schlesien unendlich schaden werde. Nachdem ihm erklärt worden, daß der jüdische Lokalredakteur die Aufnahme der Notiz garnichi habe verhindern können, schilderte der betreffende Faktor seinem früheren Glaubensgenossen unter Tränen ausführlich die traurigen Verhältnisse, die ihn zu jenem schweren Schritte veranlaßt hätten. Das war auch kein Faschingsscherz! S. L., München. Die Behauptung, daß der neue bayerische Justizminister Ferdinand Miltner jüdischer Abkunft fei, wird auf eine Notiz der „Alldeutschen Blätter" zurückgeführt, die erfahren haben will, daß der Großvater Miltners Aron Rosenduft geheißen habe. Ob daran etwas Wahres ist, können wir nicht ermitteln. Der jetzige bayerische Justizminister Ferdinand Miltner ist jedenfalls als Christ im Jahre 1836 geboren, hat zunächst Jngenieurwissenschaft und dann die - Rechte studiert. Im Jahre 1882 fand er seine erste Anstellung im bayerischen Justizministerium als Hilfsarbeiter; er wurde später Amtsrichter, dann Staatsanwalt und am 1. Mai 1899 als Rat ans -Reichsgericht zu Leipzig berufen, um nunmehr zum bayerischen Justizminister ernannt zu werden. Daß ihm die Antisemiten jetzt einen Großvater „Rosenduft" andichten, zeugt nur von der poetischen Erfindungsgabe der „Judenriecher". L. R., Würzburg. Wenn der christliche Geschäftsmann aus Bamberg sich bei der „Neuen bayerischen Landeszeitung" darüber beklagt hat, daß das „jüdische Kaufhaus L. Jungerwirt" Heiligenbilder für christliche Brautleute ankündigt und in seinen Auslagefenstern Rosenkränze und Weihwasserkeffel ausstellt, ist es wohl lediglich der Aerger über die geschäftliche Konkurrenz, die ihm die Feder in die Hand gedrückt hat. Ideale Bedenken gegen solche Handelsartikel jüdischer Geschäfte könnten höchstens von strenggläubiger jüdischer Seite geltend gemacht werden. Uebrigens find auch viele im jüdischen Kultus gebrauchte Requisiten von Christen gefertigt oder geliefert worden, ohne daß jemand dabei etwas Anstößiges gefunden hat. L. L., Schwerin i. M. Der Bericht der „Mecklenburger Nachrichten" über einen von Herrn Oberkirchenrar D. Haack iw dortigen „Christlichen Männerverein" über „die Zerstörung Jerusalems, ihre weltgeschichtliche und politische Bedeutung" gehaltenen Vortrag bat uns sehr interessiert. Wir müssen es aber als tief beklagenswert bezeichnen, wenn ein hochgestellter christlicher Geistlicher, der keineswegs judenfeindlich gesinnt sein soll, trotzdem in einem „wissenschaftlichen" Vortrage Anschauungen kundgibt, die mit einer unbefangenen Ge-

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