Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- L. K., Marienwerder
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 249 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 249 antisemitische Behauptung, daß „die Juden eine Hetze gegen Voigt betrieben hätten", in so überzeugender Weise widerlegt, daß wir diese Angelegenheit als erledigt betrachten konnten. C. B., Köln. Im preußischen Landtage hat ein Zentrums- Mitglied, Freiherr von Eynatten, bei der Debatte über die konfessionellen Friedhöfe die Gelegenheit vom Zaun gebrochen, seinem Aerger über die „jüdischen Witzblätter" Lust zu machen. Er sagte: Es sei traurig, wie Tag für Tag die jüdische Presse und die jüdischen Witzblätter das Heiligste, was die christlichen Konfessionen hätten, in Schmutz zögen. Umsomehr müßten sich diejenigen zusammenschließen, denen die Religion und die Konfession noch ein. Begriff sei. — Daß die Ultramontanen über die Jesuitenbilder im „Kladderadatsch" und dem „Ulk" wütend sind, ist begreiflich, aber der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat weder die Macht noch die Befugnis, auf jene von Christen redigierten Blätter irgendwelchen Einfluß auszuüben. Daß jene Witzblätter nicht jüdisch sind, muß Freiherr von Eynatten wissen; es ist deshalb nicht traurig, was jene Blätter veröffentlichen, sondern daß ein Zentrumsmitglied trotz jener bekannten Tatsache sie als „jüdisch" bezeichnet, um Angriffe auf die Jesuiten als „unchristlich" hinstellen zu können. Windthorst hätte solche Manöver seiner Parteigenossen zweifellos von sich gewiesen. M. L., Duisburg. Das von Ihnen gemeinte Inserat, welches wiederholt in der „Köln. Ztg." veröffentlicht wurde, hatte folgenden Wortlaut: Glaubenswechsel. An einem einsamen Orte, event. im Auslande, sucht Ingenieur, Israelit, zur reformierten Kirche überzutreten. Auskünfte erbeten unter E. M. 379 an die Exped. d. Blattes. Wir nehmen schon deshalb nicht an, daß nur ein „Faschingsscherz" vorliegt, weil das Inserat viermal veröffentlicht worden, aber auch, weil uns ein Fall genau bekannt ist, wo ebenfalls von dem Convertiten als Bedingung für eine Taufe „Geheimhaltung" gestellt und wohl auch zugesagt worden war. Vor Jahren erhielt ein uns genau bekannter jüdischer Redakteur eines größeren Provinzialblattes, dessen christlicher Chefredakteur von einem Reporter eine Notiz über das „Ereignis" des Uebertritts eines jüdischen Fabrikfaktors entgegengenommen und veröffentlicht hatte, einen* Tag nach dem, auf Wunsch des Übertretenden in aller Stille vollzogenen Taufakt den Besuch d.es Convertiten. Dieser machte ihm nun schmerzlich erregt heftige Vorwürfe