Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- Köln
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 236 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Im deutschen Reichöffentlicht: „Eine Enkelin von Sir Moses Montefiore sollte nach einer Zeitungsnotiz, die auch wir mit übernommen hatten, Christin geworden sein und dabei in Berlin durch jüdische Feindseligkeit zu leiden gehabt haben. Der „Central-Derein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin" teilt uns nun mit, Montefiore sei kinderlos gewesen; von einer Enkelin desselben kann daher nicht die Rede sein. In Brüssel lebe eine entfernt verwandte Familie Monte störe, von der Sprößlinge zum Christentum übergetreten sein sollen; daß aber eine Diakonisse Montefiore den Schutz der englischen Gesandschaft wegen jüdischer Feindschaft gesucht habe, sei wenig glaubhaft. Wir bringen auf Wunsch des Vereins gern diese seine Aeußerung zur Sache." M Hann. Münden, 8. März. Gestern wurde hier ein auch von der hiesigen jüdischen Gemeinde tiesbetrauerter evangelischer Geistlicher zu Grabe getragen, der im 80. Lebensjahre verstorbene würdige Pfarrer Dr. Walte. Mit ihm schied ein edler Menschenfreund, der stets für Wahrheit und Recht eintrat und deshalb auch für die jüdische Gemeinde gegen antisemitische Angriffe Partei nahm. Als in den neunziger Jahren Lieb ermann von Sonnenberg hier judenfeindliche Reden hielt, wirkte er so, unbekümmert um die Feiudschaft. die ihm das zuziehen konnte. Das Andenken dieses Gerechten wird deshalb unsere Gemeinde stets hoch in Ehren halten. □ Leipzig, 5. März. In der gestrigen Sitzung der Stadtverorduetenversammlung riefen bei der Ratsvorlage über den Erlaß der Besitz Wechselabgabe für Überlassung des Grundstücks Nordstr. 15 an den Israelitischen Wohltätigkeitsverein die Stadtverordneten Dr. Bennewitz, Enke und Fritzsche eine kleine Antisemitendebatte hervor. Der sozialdemokratische Stadtverordnete Pollender machte dieser Debatte mit der Erklärung ein Ende, daß es dem Israelitischen Wohltätigkeitsverein ganz gleichgiltig sein könne, ob die Ratsvorlage angenommen werde oder nicht, da Herr Jacobson, der seinerzeit das Grundstück für den Verein erworben, die Verpflichtung übernommen habe, das Grundstück dem Verein abgabenfrei zu übereignen. Nachdem aber Herr Jacobson die Besitzwechselabgabe voll entrichtet und nun das Grundstück unter einem erheblichen materiellen Opfer dem Verein übertragen habe, fprächen reine Billigkeitsgründe für die Annahme der Vorlage. Diese erfolgte gegen die Stimmen von acht Antisemiten. Einen Stadtverordneten jüdischen Glaubens, welcher die Angriffe dieser Herren abwehren könnte, giebt es hier nicht. Die National-„Liberalen" haben die Wahl eines Juden zum