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Im deutschen Reich · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. 235

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Breslau
Date
1903-03-01
Page
235 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 235 vorigen Jahres verurteilte das Kriegsgericht der 12. Division in Neisse den Kanonier Curt Bock vom Artillerie-Regiment Nr. 21 wegen Gehorsams-Verweigerung, Beharrens im Ungehorsam und Achtungsverletzung zu sechs Monaten Gefängnis. Am 12. Juni vorigen Jahres befahl der Unteroffizier Rogos dem Angeklagten, ein Pferd zu putzen, und redete ihn dabei „Judenaas" an. Der Angeklagte weigerte sich deshalb, das Pferd zu putzen und erklärte, der Unteroffizier habe ihm nichts zu befehlen, er lasse sich nicht schlagen, und dergleichen. Gegen das kriegsgerichtliche Urteil legte er Berufung ein, und das Oberkriegsgericht des 6. Armeekorps setzte am 30. August die Strafe auf vier Monate Gefängnis herab. Dieses Erkenntnis focht der Angeklagte mit der Revision an, und das Reichsmilitärgericht hob darauf das Urteil zweiter Instanz auf und verwies die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung au das Oberkriegsgericht zurück. In der neuen Verhandlung rügte der Vertreter der Anklage den Ausdruck „Judenaas"; beim Militär spreche die Konfession nicht mit (d° h. sie sollte nicht mitsprechen. Die Red.), und das religiöse Empfinden des Kanoniers hätte nicht verletzt werden dürfen. Er beantragte drei Monate und 21 Tage Gefängnis. Das Gericht erkannte aus zwei Monate und 14 Tage Gefängnis, indem es dem Angeklagten zu Gute hielt, daß er durch die Beleidigung des Unteroffiziers gereizt worden sei." Köln, 15. März. Der hier erscheinende „Evangelische Gemeindebote" brachte kürzlich unter der Ueberschrist „Umwandlung" folgende Notiz: „Eine Enkelin des in London verstorbenen jüdischen Millionärs Sir Moses Montefiore arbeitet unter den Chinesinnen. Durch eine fromme amerikanische Erzieherin ward ste für das Evangelium gewonnen. Gern verzichtete sie ihrer christlichen Ueberzeugung zu Liebe auf ihr reiches Erbe. Nach ihrer Taufe gedachte ste in Berlin in den Diakonissendienst emzutreten. Dort mußte sie vor den Angriffen jüdischer Feindseligkeit unter den Schutz der englischen Gesandtschaft flüchten. Nunmehr arbeitet sie in der China- Jnland-Mission; ihr wird das Zeugnis ansgestellt: „Sie ist die eifrigste Arbeiterin im Dienste des Herrn." — Bekanntlich war die Ehe des Sir Moses Montefiore kinderlos und der einzige Erbe seines Namens und seines Vermögens der vor einigen Wochen ebenfalls kinderlos verstorbene Sir Joseph Sebag - Montefiore. In der Nr. 11 des „Evangelischen Gemeindeboten" vom heutigen Tage wird infolge eines vom Vorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an die Redaktion des „Gemeindeboten" gerichteten Schreibens nachstehende Berichtigung ver-

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